Mit Herz, Mut und Kamera
Interview mit Theresa Meyer weiter unten.
Wenn man etwas über meine Geschichte wissen sollte, dann, dass sie von großen Träumen geprägt ist, die ich nie aus den Augen verloren habe.
Schon nach meinem Realschulabschluss wusste ich ganz genau, was ich wollte: Fotografin werden. Da es in meiner Heimat jedoch keine Möglichkeit gab, eine Ausbildung zur Fotografin zu beginnen, absolvierte ich zunächst eine Ausbildung zur Mediengestalterin. Rückblickend bin ich dafür sehr dankbar, denn die kreative Gestaltung begleitet mich bis heute. Aber mein Herz schlug immer für die Fotografie.
Mit 20 Jahren fasste ich einen mutigen Entschluss und zog über 500 Kilometer nach Ostfriesland, um dort meine Ausbildung zur Fotografin zu beginnen. Ich kannte niemanden außer meiner zukünftigen Chefin. Für ein junges Mädchen aus Unterfranken war Ostfriesland zunächst eine völlig neue Welt. Doch genau dieser Schritt gehörte zu den wichtigsten meines Lebens. Ich lernte nicht nur das Fotografenhandwerk von Grund auf, sondern auch, auf eigenen Füßen zu stehen, Verantwortung zu übernehmen und meinen Weg selbst zu gehen. Schon damals hatte ich eine klare Vision: Eines Tages wollte ich mein eigenes Fotostudio eröffnen.
Nach meiner Ausbildung zog es mich zunächst nach München, wo ich als Studioleitung in einem Fotostudio arbeitete und wertvolle Erfahrungen sammeln durfte. Parallel dazu absolvierte ich die Meisterausbildung. Für den fotografischen Teil zog ich erneut quer durch Deutschland nach Kiel und finanzierte einen Teil meiner Ausbildung unter anderem durch zahlreiche Hochzeitsreportagen. Diese Zeit hat mich fachlich und persönlich enorm wachsen lassen.
2014 führte mich mein Weg schließlich nach Unterschleißheim. Dort erkannte ich die Chance, meinen Traum Wirklichkeit werden zu lassen. Nach vielen Gesprächen, unzähligen Überlegungen und einem immer wieder überarbeiteten Businessplan fasste ich all meinen Mut zusammen, kündigte meinen sicheren Arbeitsplatz und eröffnete mit nur 24 Jahren mein eigenes Fotostudio.
Schon im ersten Jahr stellte ich meine erste Auszubildende ein. Sie fühlte sich in ihrem damaligen Ausbildungsbetrieb nicht mehr wohl, und ich entschied mich, sie auf ihrem weiteren Weg zu begleiten. Inzwischen durfte ich bereits fünf Auszubildende ausbilden. Die Förderung junger Menschen ist mir eine echte Herzensangelegenheit, denn ich möchte die Begeisterung für diesen wunderschönen Beruf weitergeben.
Die Corona-Pandemie stellte mein Unternehmen vor die bislang größte Herausforderung. Von einem Tag auf den anderen musste das Studio schließen, Aufträge fielen weg und die Unsicherheit war groß. Zum ersten Mal hatte ich ernsthafte Existenzängste und wusste nicht, wie es weitergehen würde. Doch genau in dieser Zeit habe ich gelernt, wie viel Kreativität und Durchhaltevermögen in mir steckt. Ich habe begonnen, neue Wege zu suchen und Ideen umzusetzen, um irgendwie weiterarbeiten zu können. Ich habe unter anderem Geschäfte aus der Bezirksstraße mit der Aktion „durch die Tür geschaut“ fotografiert und mir andere Aktionen ausgedacht, um überhaupt Einnahmen zu erzielen.
Und vor allem habe ich in dieser Phase erfahren, wie viel Rückhalt es im Leben geben kann. Meine Familie, meine Freunde und auch meine Kunden haben mich unglaublich unterstützt.
Viele haben Gutscheine gekauft, sind wiedergekommen, haben Shootings nachgeholt und mir damit nicht nur wirtschaftlich, sondern auch emotional geholfen. Dafür möchte ich mich auch nochmal ganz herzlich an dieser Stelle bedanken.
2022 traf ich eine wichtige unternehmerische Entscheidung und zog mit meinem Studio in kleinere Räumlichkeiten am Rathausplatz um. Ziel war es, die laufenden Kosten zu reduzieren und das Unternehmen langfristig sicher aufzustellen. Diese Entscheidung fiel mir nicht leicht und damit kamen auch große Herausforderungen, doch heute weiß ich, dass sie genau richtig war. Das neue Studio ist zu einem Ort geworden, an dem wir uns sehr wohlfühlen und den auch unsere Kundinnen und Kunden sehr schätzen.
Ein weiterer Grund für diesen Schritt war mein Wunsch, Familie und Selbstständigkeit miteinander vereinbaren zu können. Im November 2023 wurde mein Sohn geboren, ein Moment, der mein Leben auf wunderbare Weise verändert hat. Mutter zu sein erfüllt mich mit großer Dankbarkeit, gleichzeitig stellt die Vereinbarkeit von Familie, Unternehmertum und den eigenen Ansprüchen eine tägliche Herausforderung dar. Der Alltag ist geprägt von ständigem Abwägen, Planen und Organisieren. Es gilt, Verantwortung im Unternehmen zu tragen, für die Familie da zu sein und gleichzeitig die eigenen Bedürfnisse nicht aus den Augen zu verlieren. Diese Balance erfordert viel Kraft, Geduld und Flexibilität, prägt mich aber auch persönlich und beruflich in besonderer Weise.
Die Vereinbarkeit von Selbstständigkeit, unternehmerischer Verantwortung und Familie bringt eine erhebliche zusätzliche mentale Belastung mit sich. Dieser sogenannte „Mental Load“ begleitet viele Frauen täglich, sowohl im beruflichen als auch im privaten Leben, und wird häufig unterschätzt. Die Vielzahl an Aufgaben, Entscheidungen und Verantwortlichkeiten, die oft unsichtbar im Hintergrund organisiert werden, verlangt ein hohes Maß an Aufmerksamkeit und Energie.
Ein Text von Florian Schroeder beschreibt die gesellschaftlichen Erwartungen an Frauen sehr treffend. Er verdeutlicht die vielen widersprüchlichen Anforderungen, denen Frauen heute begegnen: Sie sollen erfolgreich und leistungsstark sein, gleichzeitig fürsorglich, perfekt organisiert und jederzeit verfügbar. Diese Gegensätze zeigen eindrücklich, wie komplex die Realität vieler Frauen tatsächlich ist.
Trotz aller Herausforderungen versuche ich, meinen eigenen Weg zu gehen und mir immer wieder bewusst zu machen, dass es kein allgemein gültiges oder perfektes Modell für Familie und Beruf gibt. Entscheidend ist vielmehr, einen Weg zu finden, der zur eigenen Lebenssituation, den persönlichen Werten und der eigenen Familie passt.
Heute erfüllt es mich mit großer Dankbarkeit und auch ein wenig Stolz, sagen zu können: Es hat funktioniert. Seit über zwölf Jahren darf ich Menschen in den unterschiedlichsten Lebensmomenten begleiten, Erinnerungen festhalten und einen Beruf ausüben, der für mich nie einfach nur ein Job war. Die Fotografie ist meine Leidenschaft, mein Beruf und eine echte Herzensangelegenheit.
Besonders seit ich selbst Mama geworden bin, hat diese Arbeit für mich noch einmal eine ganz neue Bedeutung bekommen. Sie hat mir gezeigt, wie wertvoll die kleinen Augenblicke sind, wie schnell die Zeit vergeht und wie wichtig es ist, Erinnerungen festzuhalten. Heute begleite ich Familien, Paare und Menschen nicht nur als Fotografin, sondern auch mit dem Blick einer Mama – mit viel Verständnis für die besonderen, oft flüchtigen Momente des Lebens.
Dass ich meine Leidenschaft mit meiner Familie und dem Mama-Sein verbinden darf, empfinde ich jeden Tag als großes Geschenk.
Interview mit Theresa
Stell dich bitte kurz vor:
Theresa Schanderl, viele kennen mich aber als Theresa Meyer oder die Fotografin aus Unterschleißheim. Ich bin 37 Jahre alt und komme ursprünglich aus Bad Kissingen und bin seit 2014 in Unterschleißheim
Was bedeutet „Stärke“ für dich ganz persönlich?
Für mich bedeutet Stärke, den Mut zu haben, den eigenen Träumen zu folgen und den eigenen Weg zu gehen. Sie zeigt sich darin, auf das eigene Herz zu hören und Entscheidungen zu treffen, die sich richtig anfühlen – auch wenn sie mit Unsicherheiten oder Herausforderungen verbunden sind.
Gleichzeitig hat Stärke für mich viel mit Menschlichkeit zu tun. Sie bedeutet nicht, immer stark wirken zu müssen. Oft braucht es gerade Mut, Gefühle zu zeigen, Hilfe anzunehmen oder verletzlich zu sein. Ebenso stark finde ich Menschen, die mit Offenheit und Mitgefühl durchs Leben gehen, anderen zuhören und sie ermutigen.
Wahre Stärke ist für mich die Verbindung aus Mut, Authentizität und Mitgefühl – den eigenen Weg zu gehen, an sich selbst zu glauben und dabei auch anderen mit Wertschätzung und Offenheit zu begegnen.
Was sollten wir über deine Geschichte/Leben wissen?
Meine Geschichte ist die eines großen Traums, den ich trotz vieler Umwege, Umzüge und Herausforderungen nie aus den Augen verloren habe: Fotografin zu werden, mein eigenes Fotostudio zu führen und eines Tages Mama zu sein.
Mit Mut, Ausdauer und viel Leidenschaft habe ich mir diesen Traum erfüllt. Heute darf ich seit über zwölf Jahren in Unterschleißheim Menschen in den bedeutendsten Momenten ihres Lebens begleiten, Erinnerungen für die Ewigkeit schaffen und dabei genau das tun, was ich von Herzen liebe.
Gab es einen Moment in deinem Leben, der deine Richtung/Einstellung grundlegend verändert hat?
Ja, gleich zwei Entscheidungen haben mein Leben und meine Einstellung nachhaltig geprägt. Die erste war, mit 20 Jahren ganz alleine nach Ostfriesland zu ziehen, um meinem Traum von der Fotografie zu folgen.
Die zweite prägende Entscheidung war, trotz der Herausforderungen der Selbstständigkeit Mama zu werden. Sie hat mir noch einmal vor Augen geführt, dass sich berufliche Träume und persönliche Wünsche nicht ausschließen müssen.
Auf welche Entscheidung bist du besonders stolz?
Sowohl die Fotografie als auch das Muttersein haben mich gelehrt, dem Herzen zu vertrauen, mutig neue Wege zu gehen und daran zu glauben, dass dort, wo Leidenschaft und Vertrauen zusammentreffen, etwas Wunderschönes entstehen kann.
Gab es Vorbilder, die dir gezeigt haben, was möglich ist?
Meine größten Vorbilder sind meine Eltern. Sie haben mich immer darin bestärkt, an mich zu glauben und meinen eigenen Weg zu gehen. Sie haben mich nie ausgebremst, sondern mich in meinen Entscheidungen unterstützt und ermutigt.
Meine Mutter war stets mit viel Liebe und Geduld für uns Kinder da, während mein Vater mir Verantwortung, Fleiß und Ausdauer vorgelebt hat.
Bis heute prägen mich ihre Werte. Sie haben mir den Mut gegeben, groß zu träumen, an mich zu glauben und meinen Weg in die Selbstständigkeit zu gehen.
Welche Hürde hat dich am meisten wachsen lassen?
Die größte Hürde, die mich bis heute am meisten hat wachsen lassen, war ganz klar die Zeit während der Corona-Pandemie.
Heute bin ich für diese Zeit trotz aller Schwere sehr dankbar. Sie hat mich gelehrt, dass Rückschläge Teil des Weges sind und dass man oft gerade in den schwierigsten Momenten über sich hinauswächst.
Wann musstest du in deinem Leben besonders mutig sein?
Besonders mutig musste ich in meinem Leben in der Entscheidung sein, Mutter zu werden und gleichzeitig selbstständig zu bleiben. Denn anders als in vielen Angestelltenverhältnissen gibt es kaum Absicherung.
Hast du das Gefühl, dich besonders behaupten zu müssen?
Als junge Frau in meinem Berufsfeld hatte ich durchaus Situationen, in denen ich mich besonders behaupten musste. Rückblickend gab es einige Momente, in denen ich nicht ernst genommen wurde – etwa, als mich ein Kunde zunächst für die Auszubildende hielt oder mein eigenes Studio belächelt wurde.
Solche Aussagen haben mich zwar getroffen, gleichzeitig aber auch meinen Ehrgeiz geweckt. Ich bin ein Mensch, der in solchen Momenten denkt: Jetzt erst recht.
Deshalb ist es mir heute umso wichtiger, Menschen zu bestärken, ihnen Mut zu machen und an sie zu glauben, anstatt sie kleinzureden.
Was sollte sich gesellschaftlich noch verändern?
Ich würde mir gesellschaftlich sehr wünschen, dass selbstständige Frauen in der Phase eines Kinderwunsches oder einer Schwangerschaft deutlich besser aufgefangen werden.
Gerade in der Selbstständigkeit bedeutet ein Kind oft eine enorme Unsicherheit, sowohl finanziell als auch organisatorisch. Viele der Strukturen, die es für Angestellte gibt, greifen hier nicht oder nur sehr eingeschränkt.
Ich fände es wichtig, dass es mehr Verständnis, flexiblere Modelle und auch gezielte Unterstützung gibt, die es Frauen ermöglicht, Familie und Unternehmertum besser miteinander zu verbinden, ohne dass eines davon zwangsläufig zu einem existenziellen Risiko wird.
Hast du das Gefühl, dass dein Frausein deinen Weg erleichtert oder erschwert hat?
Ich denke schon, dass es als Frau in der Selbstständigkeit, insbesondere mit dem Wunsch nach Familie, in vielen Bereichen anspruchsvoller ist.
Wenn du deinem jüngeren Ich etwas sagen könntest – was wäre das?
Es ist völlig in Ordnung, Nein zu sagen.
Lange Zeit hatte ich das Gefühl, immer alles machen zu müssen, überall dabei sein zu wollen und keine Chance auszulassen. Ich dachte, ich müsste jede Möglichkeit annehmen und für alles verfügbar sein.
Ich habe gelernt, dass ein Nein genauso wertvoll sein kann wie ein Ja. Im Beruf genauso wie im Privaten. Grenzen zu setzen bedeutet nicht, weniger offen oder engagiert zu sein, sondern bewusster mit der eigenen Energie und den eigenen Bedürfnissen umzugehen.
Was macht dich heute glücklicher als früher?
Wer Grenzen setzt, schließt nicht Möglichkeiten aus, sondern schafft Raum für das, was wirklich zählt. Diese Erkenntnis macht mich heute glücklicher und zufriedener als früher. Und trotzdem merke ich, dass ich manchmal noch deutlicher für mich einstehen und meine Grenzen klarer kommunizieren darf.
Würdest du diesen Weg wieder gehen?
Wenn ich heute auf meinen Weg zurückblicke, denke ich oft daran, wie viel Mut, Arbeit und Verzicht darin stecken. Nicht selten mussten Freundschaften und Beziehungen hinter meinem Traum zurückstehen. Doch trotz aller Herausforderungen würde ich diesen Weg immer wieder gehen, denn jede Entscheidung hat mich zu dem Leben geführt, das ich mir damals erträumt habe.

