Dirndlschaft Aggaschnoin e.V.
Unterschleißheim

Immer in Bewegung – für andere da sein

Brigitte Scholle - Immer in Bewegung - für andere da sein

Interview mit Brigitte Scholle weiter unten

Mein Name ist Brigitte Scholle. Geboren wurde ich am 27. Januar 1951 in Detmold, wo ich auch meine Kindheit und Jugend verbracht habe.

Später habe ich geheiratet und einige Jahre danach wurde unser Sohn geboren. Vor 43 Jahren zog unsere Familie nach Oberschleißheim, das seitdem zu unserer Heimat geworden ist.

Beruflich war ich viele Jahre in Vollzeit bei der Post tätig. Arbeit, Familie und Alltag haben mich stets gefordert. Trotzdem war es mir immer wichtig, neben meinen beruflichen und privaten Aufgaben auch Zeit für ehrenamtliches Engagement zu finden. Für mich gehörte es einfach dazu, Verantwortung zu übernehmen und für andere Menschen da zu sein.

Ein besonderer Schritt auf diesem Weg war die Hospizausbildung, die ein Jahr dauerte. Danach war ich 21 Jahre lang ehrenamtliche Hospizhelferin. Viele Jahre begleitete ich Menschen auf der Palliativstation der Barmherzigen Brüder. Diese Aufgabe hat mich tief geprägt. Sie hat mir gezeigt, wie wertvoll Zeit, Nähe und Menschlichkeit sind und wie viel ein offenes Ohr oder eine helfende Hand bewirken können.

Aus diesem Engagement heraus kamen im Laufe der Jahre weitere Ehrenämter hinzu. Seit 30 Jahren bin ich Mitglied der SPD und war dort auch einige Jahre als Vorsitzende tätig. Daraus ergab sich schließlich die Kandidatur für den Gemeinderat. Das Vertrauen der Bürgerinnen und Bürger ermöglichte es mir, 19 Jahre lang im Gemeinderat mitzuwirken und die Entwicklung unserer Gemeinde aktiv mitzugestalten.
Auch bei der AWO engagierte ich mich zehn Jahre lang als stellvertretende Vorsitzende. Seit inzwischen 22 Jahren bin ich Vorsitzende des VdK-Ortsverbandes Oberschleißheim. Diese Aufgabe erfüllt mich bis heute, weil ich mich für Menschen einsetzen kann, die Unterstützung, Beratung und eine starke Stimme brauchen.
Vor 18 Jahren gründete ich den Verein Luzia Sonnenkinder – ein Herzensprojekt, das mir besonders am Herzen liegt. Zu sehen, was daraus entstanden ist, erfüllt mich mit großer Freude und Dankbarkeit.

Darüber hinaus wurde ich für zwei Amtszeiten von jeweils vier Jahren als Schöffin am Landgericht München bestellt. Auch diese Aufgabe war für mich eine besondere Verantwortung und ein wichtiger Beitrag zu unserer Gesellschaft.

Zwischenzeitlich war ich außerdem vier Jahre lang Mitglied des Pfarrgemeinderates und konnte auch dort das Gemeindeleben mitgestalten.

Wenn ich heute auf meinen Weg zurückblicke, sehe ich viele unterschiedliche Aufgaben, Begegnungen und Erfahrungen. Jede einzelne hat mich bereichert und geprägt. Ehrenamt bedeutet für mich nicht nur, Zeit zu schenken. Es bedeutet, Menschen zu begleiten, Gemeinschaft zu stärken und dort zu helfen, wo Hilfe gebraucht wird.

Das sind meine bisherigen ehrenamtlichen Aufgaben. Und wer weiß – vielleicht kommt ja noch die eine oder andere hinzu. Solange ich etwas bewegen und für andere da sein kann, werde ich das mit Freude tun


Interview mit Brigitte Scholle

Stellen Sie sich bitte kurz vor
Brigitte Scholle, 75 Jahre, aus Detmold und seit 43 Jahren in Oberschleißheim

Was bedeutet „Stärke“ für Sie ganz persönlich?
Sich durchsetzen zu können.

Sie engagieren sich seit Jahrzehnten in verschiedenen Bereichen. Warum ist Ehrenamt für Sie so wichtig?
Menschen zu unterstützen und helfend zur Seite zu stehen war mir schon sehr früh wichtig. Zudem bekommt man wahnsinnig viel zurück.

Auf welche Entscheidung sind Sie besonders stolz?
Dass ich den Luzia Sonnenkinder Verein gegründet habe.

Gab es einen Moment in Ihrem Leben, der Ihre Richtung/Einstellung grundlegend verändert hat?
Nachdem ich ein Jahr lang eine Frau in ihrer letzten Lebensphase begleitet hatte und kurz darauf sowohl sie als auch mein Vater verstarben, entschied ich mich, eine Auszeit zu nehmen.
Im Jahr 2002 wanderte ich drei Wochen lang einen Teil des französischen Jakobswegs. Diese Reise veränderte mich nachhaltig. So sehr, dass ich 2003 zurückkehrte, um die restliche Strecke zu gehen.
Dabei verband ich meine Pilgerreise mit einem Spendenprojekt: Ich verkaufte symbolisch Wegkilometer und zündete für die Spenderinnen und Spender jeweils eine Kerze entlang des Weges an. Auf diese Weise sammelte ich Geld für die Renovierung der alten Friedhofskapelle in Hochmutting.

Gab es einen Moment, an dem Sie gemerkt haben: „Ich habe mehr Kraft, als ich dachte“?
Bei Schicksalsschlägen. Zum Beispiel als ich gehört habe, dass sich ein Vater das Leben genommen hat und die Mutter mit ihrem behinderten Kind ohne jegliche Hilfe dastand. Ich habe sie kontaktiert und geholfen einen Pflegegrad und einen Schwerbehindertenausweis zu beantragen.

Welche Erfahrungen aus Ihrer Kindheit oder Jugend prägen Sie bis heute?
Die Erziehung meiner Mutter hat mir die Stärke mitgegeben helfend da zu sein.

Gab es Vorbilder, die Ihnen gezeigt haben, was möglich ist?
Elisabeth Kübler-Ross – ich habe ihre Bücher gelesen und daraufhin die Ausbildung zur ehrenamtlichen Hospizhelferin angefangen.

Welche Hürde hat Sie am meisten wachsen lassen?
Als sich der VDK-Ortsverband Oberschleißheim auflösen wollte. Nachdem es dann keine wöchentlichen Friedhofsfahrten mehr gegeben hätte, habe ich nach langen Überlegungen bereit erklärt die Aufgabe weiterhin zu übernehmen. Leider finden sich keine Nachfolger für den Vorstand.

Mussten Sie in Ihrem Leben besonders mutig sein?
Nein, da immer das eine zum anderen geführt hat.

Haben Sie das Gefühl, sich besonders behaupten zu müssen?
Manchmal schon, man bringt sich ein und versucht alles Mögliche zu tun und doch kommt bei manchen nichts zurück.

Wie bringt man Familie, Beruf und Ehrenamt unter einen Hut?
Ich habe angefangen als mein Sohn schon älter war und mein Mann hat mich viel unterstützt und mir den Rücken freigehalten.

Welche Rolle spielt Ihre Familie bei Ihrem Engagement?
Eine große Rolle, vor allem meine 9-jährige Enkelin. Sie hat z.B. die Idee gehabt zu einem inklusiven Treffen von blinden und nicht-blinden Kindern bei „Monis kleiner Farm“. Wenn sie groß ist möchte sie den „Club“ übernehmen ☺.

Was gibt Ihnen in schwierigen Zeiten Kraft?
Gespräche mit Freunden, Waldspaziergänge und kleine Auszeiten.

Was sollte sich gesellschaftlich noch verändern?
Der bürokratische Aufwand muss dringend einfacher werden. Kürzungen sollten nicht bei den Schwächsten unserer Gesellschaft vollzogen werden.

Fühlen Sie sich als Vorbild?
Nein, da für mich alles selbstverständlich ist was ich mache. Ich habe die Zeit und Ressourcen um für mich wichtige soziale Projekte zu verfolgen.

Wenn Sie Ihrem jüngeren Ich etwas sagen könnten – was wäre das?
Bisher alles super gelaufen!

Was macht Sie heute glücklicher als früher?
Wenn ich eine wichtige Sache erledigt habe mit dem Bewusstsein, dass meine Lebenszeit begrenzt ist.

Welche Botschaft würden Sie anderen Frauen mit auf ihren Weg geben?
Man selbst bleiben, nicht verbiegen und viel miteinander reden.