Erlebt. Geprägt. Weitergegangen: Stärke wächst im Erleben
Interview mit Nela weiter unten.
Nach Ende meiner Schulzeit wurde ich im Frühjahr 1995 in den Polizeidienst eingestellt. Nach der zweieinhalbjährigen Ausbildung an der Polizeischule in Biberach und mit abschließendem Fachlehrgang in Freiburg war ich zuerst in Stuttgart bei der Einsatzhundertschaft, danach beim Verkehrsunfalldienst und zuletzt im Streifendienst eingesetzt. Dieses vielfältige Berufsbild war spannend und interessant, aber nicht der eigentliche Traumberuf:
Ich wollte zur Militärpolizei, Polizistin und Soldat sein. Dies war aber durch die damalige Rechtslage nicht möglich. Ich hätte nur in den Sanitätsdienst oder zur Militärmusik gehen können, aber das wollte ich nicht. Aber einen „normalen Beruf“ wollte ich auch nicht. Ich wollte nicht irgendwo im Büro sitzen und Papier verwalten. Ich wollte mit Menschen und für Menschen arbeiten.
Nach dem Rechtsstreit von Tanja Kreil im Jahr 2000 wurden 2001 alle Laufbahnen der Bundeswehr für Frauen geöffnet worden sind, habe ich nicht lange überlegt. Ich bewarb mich im Januar 2001 um eine Einstellung für die Feldjäger – der Militärpolizei.
Im Mai 2001 wurde ich in die Bundeswehr eingestellt.
Meine Eltern haben es sich nicht nehmen lassen, mich damals zum Dienstantritt zu „meiner Kaserne“ zu fahren. Ich erinnere mich noch genau, als mein Papa zu mir am Kasernentor sagte: „Wenn du durch dieses Tor gehst, dann haben sie dich. Wenn du das tust – dann mach es richtig, mit vollem Herzen.“ Ich erinnere mich an eine innige Umarmung und meine Worte: „Versprochen, mache ich.“
Zurück konnte ich nicht – und wollte ich nicht.
Ich hatte zum 30. April die Entlassung aus dem Polizeidienst beantragt – diese war bewilligt worden. Mein damaliger Dienststellenleiter sagte mir noch: „Sie werden auf Knien in mein Büro gerutscht kommen und darum betteln, dass ich Sie wieder einstelle“ … – darauf wartet er bis heute.
Heute bin ich über 25 Jahre Soldatin.
Ich war Militärpolizistin – als solche als Erheber und Ermittler 2004 im Auslandseinsatz, Ausbilderin als Gruppen- und Zugführerin in der Allgemeinen Grundausbildung, Karriereberaterin für Laufbahnen bei der Bundeswehr, verantwortlich für die militärische Sicherheit sowie militärisch-administrative Organisation eines Bundeswehrkrankenhauses.
Über die vielen Jahre konnte und durfte ich mich in vielfältiger Weise weiterqualifizieren: wurde auf der Meisterebene ausgebildet, bin staatlich geprüfte Betriebswirtin für die Fachrichtung Personalwirtschaft geworden. Ich durfte vom mittleren Dienst – der Feldwebellaufbahn – in die Offizierslaufbahn wechseln und bin heute Hauptmann.
Neben dem Dienst habe ich das Fernstudium Personalmanagement und Corporate Learning erfolgreich absolviert und mit dem Bachelor of Arts in der Regelstudienzeit abgeschlossen.
Nach über 12 Jahren in der Ausbildungsplanung und Konzeption bin ich jetzt als Hörsaalleiterin für verschiedene interessante Fortbildungen im Sanitätsdienst für die Ärztinnen und Ärzte in Human- und Veterinärmedizin, Pharmazie, Lebensmittelchemie sowie Zahnmedizin verantwortlich. Eine interessante und fordernde Aufgabe in Kombination von Ausbildung und Organisation, manchmal Improvisation. Es sind zwar alltägliche Abläufe, ohne in Alltag oder Routine abzuschweifen. Dennoch lässt die Bürokratie die Arbeit im Homeoffice in Anteilen zu, sodass sich der Spagat zwischen Vollzeit-Arbeit und Familie bzw. Belange der Kinderbetreuung relativ gut schaffen lässt.
Selbstverständlich ginge auch dies ohne ein kameradschaftliches Verhältnis und Verständnis der Abteilungsleitung nicht. Wir verstehen uns als „Arbeitsfamilie“, was vieles erleichtert, wenn es zu Hause mal „nicht rund“ läuft.
Was sich als einfacher beruflicher Weg liest, war und ist es zu keinem Zeitpunkt.
Für gleiche Wahrnehmung von Leistung und Eignung für verschiedene Tätigkeiten ist mehr Anstrengung erforderlich.
Beispielsweise 2001, als zwei Kameradinnen und ich den Dienst in unserer Grundausbildungseinheit angetreten haben, stießen wir mehr auf Ablehnung als auf Anerkennung.
Damals – zur Wehrpflicht – waren wir die einzigen Zeitsoldaten im Zug. „Sie sind freiwillig hier – sie müssen das können.“
Keine Gelegenheit wurde ausgelassen, uns zu zeigen oder klarzumachen, dass wir hier nicht hingehören. Es war nicht leicht, den Anforderungen gerecht zu werden. Durchzuhalten und sich den Herausforderungen zu stellen war vor allem durch die starke Kameradschaft im Zug, in der Gruppe, der man angehört, möglich.
Nach kurzer Zeit war es, als würden wir uns schon ewig kennen. Wer an der Belastungsgrenze war, bekam Unterstützung, ohne zu fragen oder zu urteilen. Wir trugen – genau wie unsere männlichen Kameraden – die Last des anderen. Wir gingen gemeinsam durch diese Zeit, die jede und jeden mehrfach an die Grenze der physischen und psychischen Belastbarkeit gebracht hat.
Allerdings ist das für den Beruf und die realistische Einschätzung der eigenen Leistungsfähigkeit wichtig: Was kann ich leisten, welche Belastung kann ich aushalten, bis nicht „der innere Schweinehund“ mich zum Aufgeben zwingt – sondern „tatsächlich das Licht ausgeht“.
Es sind – den Militärmusikdienst und den Sanitätsdienst mit eingerechnet – seit 1975 Frauen in den Streitkräften. Auch nach mehr als 40 Jahren Frauen im Dienst in der Bundeswehr und seit über 25 Jahren in allen Verwendungen und Laufbahnen ist dies zwar Alltag, aber teilweise noch immer verbunden mit Vorbehalten, Vorurteilen und Problemen in der leistungsgerechten Wahrnehmung. Blickt man über den Kasernenzaun hinaus, ist dies allerdings kein militärisches Problem, sondern ein Phänomen, das unsere gesamte Gesellschaft betrifft.
Wenn ich nun auf die vergangenen Jahre in diesem besonderen Beruf zurückblicke, kann ich sagen, dass alle Tätigkeiten und Verwendungen erfüllend und spannend gewesen sind: Sei es der Schichtdienst im Feldjägerdienstkommando oder daran anschließend die Tätigkeit als Gruppenführerin und Zugführerin in der allgemeinen Grundausbildung – also dort, wo ich selbst viele Jahre zuvor „gelernt hatte zu laufen“. Menschen, die unterschiedlicher in Herkunft und Bildung nicht sein könnten, zu einer Gruppe bzw. einem Team zusammenzubringen, ist eine spannende Aufgabe.
Einen Rekruten habe ich besonders in Erinnerung: Freiherr Prinz Moritz … von und zu – seine Namensschilder waren quasi vierreihig. Am ersten Morgen stand er nach dem Wecken im seidenen Morgenmantel mit Halstuch in einer Reihe voller verschlafener Gesichter in Shorts und T-Shirt. Bei der folgenden Körperhygiene in den jeweiligen Gemeinschaftsbädern und Duschen (natürlich geschlechtergetrennt) war er die ersten Tage verloren. Da ich jeden Rekruten zu Beginn zum kurzen Gespräch geholt hatte, um zu erfahren, wo derjenige herkommt, was die Motivation für oder gegen den Wehrdienst war, familiäre Hintergründe etc., saß auch er im Gespräch vor mir. Sein Feldanzug war ihm viel zu groß; die kleinste Größe war zu weit, es musste extra für ihn bestellt werden. Ich erfuhr, dass er nie auf einer staatlichen Schule gewesen ist, dass er nur Privatunterricht und einen ausgesuchten Freundeskreis hatte. Er wollte Feldjäger werden – die Eltern wollten eher, dass er zur Panzertruppe geht. Und als ich ihn fragte, wie er denn angesprochen werden möchte, da er auch als Rekrut Anspruch auf die Anrede mit seinem Adelstitel hatte, antwortete er sehr leise: „Ich möchte einmal in meinem Leben normal und wie alle anderen sein. Können wir uns auf … von Ha … einigen?“ Ich antwortete: „Okay, dann ab jetzt Schütze von Ha …“. Er lächelte und fragte, ob er gehen dürfe. Er war jemand, der tatsächlich über sich hinauswuchs. Am nächsten Morgen stand er wie alle anderen beim Wecken: T-Shirt, Boxershorts, Kissenfrisur. Krawatten konnte er binden, aber weder Schnürsenkel einschnüren noch festsitzende Schleifen binden. Er wuchs in der dreimonatigen Grundausbildung mehr als alle anderen über sich hinaus und überraschte alle mit Leistungswillen, Engagement und sichtlicher Freude an den Dingen, die wir den Menschen in den ersten drei Monaten beibringen. Nach dieser Zeit kam er – am Tag seines feierlichen Gelöbnisses – voller Stolz mit seinen Eltern zu mir. Es war ihm enorm wichtig, dass er mich ihnen vorstellen durfte. Ein stolzer junger Mann – keine Spur von dem „kleinen unsicheren Prinzen“.
In den Jahren, in denen ich in der Allgemeinen Grundausbildung die jungen Männer und Frauen begleiten durfte – ihnen die „Grundschule“ des Militärs und Sinn und Zweck von verschiedenen Dingen beibringen durfte –, habe ich viele Charaktere kommen und gehen sehen. Offen gestanden haben mich selbst viele an meine eigene Belastbarkeit gebracht. Ein erster Eindruck „der macht keine Probleme“ entwickelte sich nicht selten zu Problemen, die kaum zu regeln waren. Wieder andere, die zu Beginn „Problemkinder“ waren, haben sich so rasant entwickelt, dass sie innerhalb weniger Wochen zum Selbstläufer geworden sind. Auch ich bin an all ihnen gewachsen und unfassbar dankbar für jede und jeden, den ich in dieser Zeit begleiten und ausbilden durfte. Oft dachte ich: „Das schaffe ich nicht“ – auch weil andere mich scheitern sehen wollten. Aufgeben war keine Option – die unterstellten Soldaten waren auf die Leistung angewiesen. Davon, dass ich weiter mache. Weiter plane, organisiere. Zum Glück gab es immer mehr Kameraden, die die Kameradschaft ebenso lebten und liebten wie diejenigen.
Danach folgte eine Vielzahl an Aus- und Fortbildungen, Führerscheine, Auslandsvorbereitung.
2004 war ich von Mai bis Oktober im Auslandseinsatz in der MP-Station in Prizren.
Viele Jahre zuvor war mein Vater dort im Auslandseinsatz gewesen.
Er sagte mir: „Schau mal nach, ob es sich gelohnt hat.“
Als ich abflog, habe ich völlig vergessen, mich von meinen Eltern zu verabschieden. Ich weiß noch, dass ich den Hund umarmt habe – und dann meine Sachen nahm und in den Flieger in Penzing einstieg. Erst kurz vor der Landung in Mazedonien ist mir eingefallen, dass ich das völlig vergessen hatte – auch, dass ich ihnen unbedingt sagen wollte, dass ich sie über alles liebe. Aber das nachzuholen sollte einige Wochen dauern. 2004 war das Telefonnetz dort noch nicht so gut ausgebaut und wann immer es sicherheitsrelevante Zwischenfälle im Einsatzgebiet gegeben hat, wurde zuallererst das Handynetz abgestellt, damit keine Informationen nach außen dringen konnten. Für meine Eltern – meine Mutter erfahrene Soldatenehefrau und mein Vater selbst Berufssoldat über insgesamt 30 Jahre – konnten mit der Situation gut umgehen. Keine Nachrichten sind übrigens bis heute gute Nachrichten. Einige Wochen später konnte ich dann zu Hause anrufen und mich entschuldigen.
120 Tage dauerte der Einsatz 2004 im Kosovo.
Vieles, das für hier wichtig erscheint, relativiert sich dort. Manchmal wird das Wasser abgestellt, wenn man duscht – deswegen sollte man immer einen 6er-Träger Wasser mit in die Dusche nehmen (mit Schaumkrone auf dem Kopf bin ich nur einmal quer durch das Gebäude gelaufen, um mir genau dies zu holen).
Handyverbindungen oder regelmäßiger Kontakt nach Hause waren oft schwierig.
Wichtig war jede Woche die Feldpost: Briefe und Postkarten, kleine Pakete von zu Hause.
Die Lieblingsschokolade, 5-Minuten-Terrinen, Zitronenteegranulat und, weil ich den Hund so sehr vermisst habe, haben mir meine Eltern eine Tüte Hundehaare geschickt.
Alles Schätze, mit denen man sehr sorgsam und ausgewählt umgeht, da die Post nur maximal 2x in der Woche kam. Die Briefe und Postkarten habe ich oft gelesen, wie einen Schatz mit mir in der Hosentasche herumgetragen.
Besonders sind mir die örtlichen Gegebenheiten in Erinnerung geblieben. Prizren, damals eine relativ gut organisierte Kleinstadt – 4 Kilometer weit weg davon in den umliegenden Bergdörfern nahezu Mittelalter. Teilweise kein elektrischer Strom, kein fließendes Wasser. Aber: glückliche Menschen, denen es auf den ersten Eindruck an nichts mangelte. Kinder, die mit Steinen und Holzrädern spielen und sich wie verrückt über einen Lutscher, Müsliriegel oder einen Luftballon freuen. Oder über ein altes Kuscheltier – ich hatte meine Eltern gebeten, mir welche von meinen alten zu schicken, um sie dort zu verschenken.
Und doch wieder die Gefahr, nicht gesund nach Hause zu kommen. Festnahmen von gesuchten Straftätern. In friedlich aussehenden Wiesen mit wunderschönen Blumen Minenwarnschilder. Wissend: Fährst du da rein, kommst du nicht lebend raus. Mancher Einsatz oder manche Erkundung wurde mit dem Hubschrauber geflogen; von oben konnte man ganze Minengürtel im Grenzgebiet zu Albanien mit bloßem Auge erkennen. Spätestens in diesem Szenario wird klar, weshalb die umfangreiche und langwierige Ausbildung in Vorbereitung auf Auslandseinsätze wichtig ist: Sie rettet Leben und sensibilisiert für Gefahren in vielfältiger Weise.
Durch die Entbehrungen schweißt sich das Team Bundeswehr im Auslandseinsatz sehr eng zusammen. Dort – mitten im Nirgendwo – wird klar, warum es diese vielen Berufsbilder im Militär benötigt. Sonst können diese vielen Zahnräder nicht ineinandergreifen und die Mission scheitert.
Spannend und interessant war die Zusammenarbeit mit Österreich, Schweiz, Italien, Frankreich, Georgien, Norwegen und den USA. Viele verschiedene Nationen – verschiedene Herangehensweisen in den unterschiedlichen Szenarien oder Aufgabenstellungen – verbunden mit einem gemeinsamen Ziel.
Erschreckend und schwierig war damals allerdings, dass es auch in diesen Szenarien nicht einfach ist, als Frau respektiert und als gleichwertig anerkannt zu werden. Ethnische Besonderheiten kommen in diesem Tätigkeitsbild meist unverhofft zum Vorschein, was die Erfüllung des Auftrags und der Aufgabe mental schwieriger macht. Hier wird die Kameradschaft im Militär – auch unabhängig der Nation – wichtig und ist eine enorme Stütze.
Am 20. Oktober durfte ich nach Hause fliegen. Einsatzende.
Einen Tag vor meinem Geburtstag.
Ich habe meine Eltern am Flugfeld in Berlin stehen sehen – und habe nach Verlassen der Transall einfach alles fallen lassen (sehr zum Ärger meiner Kameraden, die über meinen Rucksack und meine Einsatztasche drübersteigen mussten).
Ich erinnere mich nur, dass ich über die Flight zu meinen Eltern gerannt bin und weiß bis heute nicht, wie ich über das brusthohe Absperrgitter kam. Aber ich wollte einfach nur „nach Hause“. Heimweh kennt kein Alter.
Auch über 20 Jahre nach dem Auslandseinsatz sind die Eindrücke sehr präsent in meiner Erinnerung. Zentrale Lebenseinstellung ist, dass niemand sich seine Herkunft aussuchen kann. Jeder hat Glück, wo er oder sie geboren wird und welche Staatsangehörigkeit sich daraus ergibt. Geld ist ein Betrag auf dem Konto – der den Lebensunterhalt sichert. Er bestimmt nicht den Wert eines Menschen und relativiert sich schneller, als es manchen lieb ist. Lebe im Jetzt und Hier – nicht irgendwann. Wer weiß, wie lange du noch gesund wach werden darfst.
Nach dem Auslandseinsatz wollte und sollte ich mich dienstlich verändern und hatte das Glück, in der Wehrdienstberatung – also der Karriereberatung – für die Bundeswehr tätig zu sein.
In dieser Funktion war mir ein besonderes Anliegen, alle Vorzüge und Nachteile, die dieser Beruf mit sich bringt, meinen Bewerberinnen und Bewerbern aufzuzeigen und entsprechend ihrer Interessen eine Tätigkeit im Militär oder in der zivilen Wehrverwaltung zu finden, die sie erfüllt und nicht daran orientiert, wo gerade der größte Bedarf sein könnte. Ich war und wollte keine „Recruiting Station“ sein.
Während dieser Verwendung wurde ich für die Förderung zum Laufbahnwechsel in die Offizierslaufbahn ausgewählt – und musste zwei Jahre in Faßberg an der Fachschule die Schulbank drücken. Dinge wie Rechnungswesen, Volkswirtschaftslehre und Finanzmathematik waren keine einfachen Dinge. Dennoch konnte ich die Fortbildung zur staatlich geprüften Betriebswirtin erfolgreich abschließen. Danach folgte meine Wunschverwendung am Bundeswehrkrankenhaus Hamburg, wo ich über 3 Jahre für die organisatorischen Abläufe der militärischen Dienststelle sowie die militärische Sicherheit zuständig war, bis ich im Oktober 2013 nach München an die Sanitätsakademie der Bundeswehr versetzt worden bin.
2023 hatte ich die Möglichkeit, sieben Monate in Brüssel tätig zu sein. Innerhalb der EEAS (European External Action Service), einem internationalen Militärstab, hatte ich die Möglichkeit, für die Mission EUMAM UKRAINE der EU zu arbeiten. Diese Einblicke und Erfahrungen innerhalb dieser sowie vieler anderer Unterstützungs- und Ausbildungsmissionen sind wertvoll und horizonterweiternd. Es war großartig, international mit über 23 Nationen und dauerhaft mit 16 Nationen eng zusammenzuarbeiten, bürokratische Hindernisse zu überwinden und pragmatische Lösungsansätze für ein gemeinsames Ziel zu finden. Diese Herausforderung ist mit Abstand eine der besten und schönsten beruflichen Erfahrungen meines Lebens – auch wenn nicht alle Einblicke in die Folgen der Kriege dieser Welt leicht zu ertragen und zu verarbeiten sind.
Dieses Berufsleben ist allerdings in familiärer Hinsicht ein Kraftakt zwischen Kompromissen und Zurückstecken, um dem turbulenten Alltag mit zwei fußballbegeisterten Kindern und eigenen beruflichen Zielen und Träumen – in Kombination mit einem möglichst geregelten Familienleben – irgendwie gerecht zu werden. Mein Mann ist ebenfalls Soldat – Anästhesist und nebenberuflich begeisterter Notarzt. Unser Beruf bringt für uns beide viele Abwesenheiten von zu Hause mit sich. Dies stellt uns oft vor organisatorische Herausforderungen, vor allem, da uns in USH familiärer Hintergrund fehlt, der unterstützen und entlasten könnte. Glücklicherweise unterstützt uns der Freundeskreis mit Verständnis, er gibt uns Halt – und auch einen Ort für sehr persönliche Sorgen.
Auch in einem turbulenten Alltag ist der Ruhepol wichtig.
Für mich ist das ohne Frage die „Heimatbasis“, die auf stabilen Pfeilern steht – für uns alle.
Ohne diese Stabilität im Hintergrund ist dieser berufliche Weg nicht möglich.
Trotz aller organisatorischen Herausforderungen versuchen wir uns gegenseitig Raum für individuelle Träume zu geben.
Dadurch ist mein Mann seit vergangenem September in Paris am Militärkrankenhaus für eine Weiterbildungszeit bis November dieses Jahres.
Mein Traum war es, einmal auf den Kilimanjaro zu gehen.
Mit einer meiner besten und der mit Abstand ältesten Freundin zusammen erfüllte sich dieser Wunsch am 21. Januar 2024: Nach 4 Tagen Aufstieg am zweiten der drei Gipfel „Stella Point“ des Kilimanjaro, verbunden mit einem Schneesturm, den selbst die Guides mit jahrelanger Erfahrung noch nicht erlebt hatten. Ein White-Out auf über 5756 m Höhe ist schon etwas sehr Besonderes – wenngleich uns der versprochene Sonnenaufgang dort oben leider ebenso verwehrt wurde wie der Weg zum dritten und letzten Gipfel, dem Peak. Die vier Tage Aufstieg, beginnend im Dschungel über alle erdenklichen Klimazonen hoch hinaus in eine Steinwüste, waren ein unglaubliches Erlebnis. Der Sternenhimmel an den Abenden und Nächten ist atemberaubend, die Natur in all ihren Facetten zu erleben war ein Geschenk. Und in Afrika in kurzen Hosen einen Bergaufstieg zu beginnen, der am Ende in Thermokleidung bei minus 10 Grad endet, ist eine Herausforderung an Planung, welche Ausrüstung erforderlich ist.
Die Höhe am Berg und die klimatischen Herausforderungen brachten mich zwar nicht an meine Belastungsgrenze, aber auch hier konnte ich von der Erfahrung und dem richtigen Einschätzen meiner persönlichen Leistungsfähigkeit profitieren.
Das Leben ist zu kurz für verpasste Gelegenheiten. Es gibt darüber hinaus kein Fundbüro für eben diese.
Natürlich begleiten mich Zweifel oder die Frage, woher all diese Stärke kommt.
Mir hilft es, kurz innezuhalten und durchzuatmen. Gerade in fordernden Situationen hilft mir die Erinnerung, was ich in der Vergangenheit alles erlebt, überlebt und überstanden habe.
Es macht mich stolz und zu einem stärkeren Selbst, als ich je von mir gedacht hätte.
Ich bereue keinen beruflichen Umweg. Alle Stationen gehören zu mir und meiner Persönlichkeit, ohne die ich nicht wäre, was ich heute bin.
Aufgeben ist keine Option. Darüber hinaus musste ich lernen, um Hilfe zu bitten, Schwäche zu zeigen, zuzulassen und dies nicht als Scheitern zu bewerten. Es ist in Ordnung, nicht alles allein zu können. Im Team – egal in welcher Konstellation – lassen sich Herausforderungen leichter meistern. Und an meine Eltern geht folgender Satz: „Ich melde gehorsamst: Auftrag ausgeführt – alles richtig gemacht. Danke, dass ihr immer an mich geglaubt und mich unterstützt habt.“
Interview mit Nela
Stell dich bitte kurz vor
Nela, 48 Jahre, seit 2018 in Unterschleißheim. „Aus“ ist schwer zu beantworten, da ich in meinem Leben viel zu oft umgezogen bin (in meinem Berufsleben allein über 10-mal). Ich war heimisch an vielen Orten und fühle mich diesen bis heute verbunden; besonders Hamburg war und ist eine geliebte Wahlheimat. Geboren wurde ich in Füssen – allerdings ohne diesen Ort als „Heimat“ zu bezeichnen. Manchmal bezeichne ich mich scherzhaft selbst als „Topfpflanze mit Unkrautfaktor“, die nahezu überall wächst und gedeiht.
Was bedeutet „Stärke“ für dich ganz persönlich?
Über sich hinauswachsen, die eigenen Grenzen genau zu kennen und dennoch immer wieder verändern zu können. Stärke bedeutet für mich auch, in Zeiten eigener Belastung (vor allem auch emotionaler Belastung) für andere eine Stütze und Unterstützung zu sein, sie aufzufangen- Empathie ist eine tragende Rolle.
Stärke bedeutet für mich aber auch, zu reflektieren, mich und meine Entscheidungen zu hinterfragen und Fehler zuzugeben. Stärke bedeutet auch, eigene Defizite zu erkennen und entsprechend mit ihnen umzugehen (und an ihnen zu arbeiten, wenn es denn möglich ist); in meinem Beruf sehr wichtig, um das Team richtig zu gestalten und führen zu können.
Was sollten wir über deine Geschichte/Leben wissen?
Wir sind Menschen – die das, was sie trainieren, hoffen, niemals in der Realität umsetzen zu müssen. Wir finden Brüder und Schwestern an verschiedenen Orten.
Gab es einen Moment in deinem Leben, der deine Richtung/Einstellung grundlegend verändert hat?
Situationen, die mein Leben verändert haben und die Sichtweise auf Dinge, die wir als selbstverständlich erachten, gab es durchaus ein paar in meinem Leben (ausführlich in meiner Geschichte geschrieben).
Auf welche Entscheidung bist du besonders stolz?
Auf eine einzelne Situation lässt sich das nicht begrenzen. Ich bin stolz darauf, meinen eigenen Lebensweg gegangen zu sein und bin glücklich darüber, ihn gehen zu dürfen.
Ich bin stolz auf all das, was ich in meinem Leben erreicht habe. Stolz auf berufliche wie auch private Entscheidungen und darauf, Probleme als Aufgaben und Herausforderungen zu sehen. Es ist eine Frage des Blickwinkels, der am Ende darüber entscheidet, mit welchem Mindset die jeweilige Situation erlebt und geschafft wird. „Das kannst du nicht – das schaffst du nicht“ motiviert mich bis heute, es dennoch zu versuchen. An mich selber zu glauben, darauf bin ich sehr stolz.
Gab es einen Moment, in dem du gemerkt hast: „Ich habe mehr Kraft, als ich dachte“?
Einen speziellen Moment nicht. Es sind eher die letzten Jahre. Ich habe ein Fernstudium in der Regelstudienzeit abgeschlossen, obwohl ich in Vollzeit arbeite und bedingt durch die berufliche Tätigkeit meines Mannes sehr viel alleine mit Kindern, Haushalt und Hund bin. Seit September vergangenen Jahres bin ich weitestgehend alleinerziehend, da er in Paris arbeitet und erst im November dieses Jahres wieder planbarer zu Hause ist.
Welche Erfahrungen aus deiner Kindheit oder Jugend prägen dich bis heute?
Bedingt durch den Beruf meines Vaters bin ich als „Zu’greiste“ aufgewachsen, was damals Ausgrenzung und „die gehört nicht hier her und damit auch nicht dazu“ verbunden war. Dadurch weiß ich, wie es ist, wirklich allein zu sein. Als junges Mädchen keine Freunde zu haben war schlimm und prägt mich bis heute, mir den inneren Kreis der Freunde, die ich nahe an mich heranlasse, sehr genau anzusehen. Ich habe und hatte nur wenige, dafür enge Freunde.
Beruflich lege ich Wert auf ein gutes Onboarding, wenn neue Kameraden in die Abteilung bzw. Inspektion kommen. Ich möchte, dass sie sich willkommen und schnell integriert fühlen.
Im militärischen Alltag und Auftrag haben wir „keine Zeit“, für ausgedehntes Kennenlernen und zu hinterfragen, ob man dem Gegenüber vertrauen kann oder nicht. Wirklich tiefe und tragende Freundschaften entstehen meist innerhalb weniger Tage – ohne diese Kameradschaft geht es nicht. Wir sind emotional schnell aneinander dran – vor allem in Auslandseinsätzen.
Im alltäglichen Umgang führt diese Erfahrung dazu, dass ich meine Kinder ermutige, neue Klassenkameraden direkt anzusprechen und aktiv auf diese zuzugehen. Auch sie mussten die erste Zeit, nachdem wir nach Unterschleißheim gezogen waren, den anderen Kindern beim Spielen zusehen, da sie nicht mitspielen durften. Es hat fast 2 Jahre gedauert, bis sie in der Nachbarschaft akzeptiert worden sind, da auch sie „Zu’greiste“ sind und NICHT in USH geboren worden sind.
Gab es Vorbilder, die dir gezeigt haben, was möglich ist?
Beruflich: Die Formulierung „jeder taugt zu einem Vorbild, auch wenn es ein schlechtes Beispiel ist“ trifft es vor allem in den ersten Jahren. Im Laufe der Zeit hatte ich aber das Glück, Vorgesetzte zu treffen oder tolle erfahrene Kameraden zu haben, von denen ich viel lernen durfte und die mir viel gezeigt und beigebracht haben.
Privat: meine Eltern. Sie haben immer an mich geglaubt, unterstützt und mir Zweifel genommen.
Welche Hürde hat dich am meisten wachsen lassen?
Als im Militär 2001 alle Laufbahnen und Tätigkeiten geöffnet wurden, war das zwar politisch gewollt, aber das Mindset der Kameraden war nicht so weit. Und ist es teilweise bis heute nicht.
Die Ablehnung über Frauen beim Militär war vor allem in den ersten Jahren deutlich spürbar. Es wurde oft die Messlatte der körperlichen Anforderungen sehr hoch gesetzt. Wenn männliche Kameraden sie nicht erreichen konnten, war die Haltung, dass sie eben noch trainieren müssen. Für meine Kameradinnen und mich war es „siehst du, du bist gescheitert – du gehörst nicht hier her“.
Aber ich wollte es von Anfang an und ich wusste, dass ich genau dort hingehöre.
Ein Zugführer von mir sagte einmal „ich kann, weil ich will, was ich muss“. Und genau das ist es, was mich immer dazu gebracht hat, weiterzumachen. Nicht aufzugeben und den scheinbar leichteren Weg zu wählen.
Wann musstest du in deinem Leben besonders mutig sein?
Was ist mutig? Was definiert mutig? Für mich ist es die Frage dahinter, wann eigene Grenzen der Leistungsfähigkeit und Belastbarkeit hinterfragt und überschritten werden müssen bzw. Ängste und Zweifel zu überwinden.
Ich habe gelesen, dass Mut, Dummheit und Leichtsinn leider sehr eng beieinander sind. Das stimmt leider.
Um die Frage zu beantworten: nach meiner Definition noch nie.
Gab es Situationen, in denen du an dir gezweifelt hast bzw. fast aufgegeben hättest?
Nun, aufgeben ist keine Option. Allerdings musste ich lernen, um Hilfe zu bitten. Schwäche zu zeigen, zuzulassen und dies nicht als Scheitern zu bewerten. Es ist in Ordnung, nicht alles allein zu können. Im Team – egal in welcher Konstellation – lassen sich Herausforderungen leichter meistern
Wie gehst du mit Rückschlägen/Widerständen um?
Bewusst einen Schritt zurückzutreten und versuchen, die Situation objektiv zu beurteilen. Genau die einzelnen Facetten der Situation zu bewerten und eine Lösung zu suchen. Bei Widerständen ist es mir wichtig, die Ursache zu finden und zu analysieren.
Reflektieren und mit Vertrauten das Gespräch über die Situation zu führen, um zu sehen, ob ich mit meiner Wahrnehmung oder Einschätzung richtig liege. Oft ist es besser, eine Nacht über die Situation vergehen zu lassen. Dazu gehört auch, ggf. einen Gesprächspartner, der den Konflikt durch Weggehen vermeiden oder beenden möchte, im Gespräch zu halten. Wegrennen hat noch nichts besser gemacht. Wichtig ist, Fehler einzugestehen und sich dafür zu entschuldigen.
Wie ist es, in einem männerdominierten Beruf zu arbeiten?
Einerseits ist es und waren beide Berufe, die ich ausgeübt habe, Wunschberufe. Es ist allerdings schwierig, die gleiche Akzeptanz und Anerkennung zu erreichen, wie meine männlichen Kollegen und Kameraden. Fehler werden weniger akzeptiert, länger nachgetragen. Es erforderte viel Kraft, wenn man optisch nicht dem Idealbild einer Frau entspricht, die abwertenden Bemerkungen auszuhalten und „weiterzumachen“; sich die verletzenden Worte nicht anmerken zu lassen.
Sich die Anerkennung in einem männerdominierten Beruf zu erarbeiten hört darüber hinaus nicht auf. Es ist leider eine stetige Aufgabe zu beweisen, dass man den Platz, an dem man ist, sich auch verdient hat. Leider ist das Rollenverständnis bis heute sehr konservativ und nur halb so modern, wie kommuniziert.
Hast du das Gefühl, dich besonders behaupten zu müssen?
Beruflich leider ja.
Privat muss ich meinen Mann ab und zu liebevoll daran erinnern, dass nicht nur er Träume und Ziele hat.
Was gibt dir in schwierigen Zeiten Kraft?
Zurückzublicken auf das, was ich bereits erreicht und geschafft habe. Meine Kinder, mein Mann und der Hund „Heidi“. Die Familie ist unser wichtigster Rückzugsort, um Kraft zu tanken, Luft zu holen. Sich auch verkriechen zu dürfen – ein wichtiger Ort, um aufgefangen zu werden. Wir nennen sie die „Heimatbasis“.
Darüber hinaus hilft es mir, eine schwierige Zeit nicht als Ganzes zu sehen. Sonst sehe ich nur einen riesigen Berg an Herausforderungen, die kaum zu bewältigen sind. Es ist besser, jeden Tag als einzelnen zu sehen und diesen jeden Tag aufs Neue anzunehmen. In sehr stressigen Zeiten ist es manchmal auch erforderlich ihn aufzuteilen.
Beispielsweise so:
- Kinder wecken – Kraft einteilen, bis sie das Haus verlassen und zur Schule gehen
- Zum Dienst gehen (dort ist meist etwas mehr Zeit, durchzuatmen)
- Zu Hause – bis die Kinder zum Fußballtraining gehen
- Ende Fußballtraining bis zum Abendessen
- Abendessen bis zum Gute-Nacht-Sagen.
Das wirkt zwar wie eine „To-Do-Liste“, hilft aber, mit den eigenen Kräften (manchmal auch Nerven) besser haushalten zu können.
Gibt es Rituale oder Gewohnheiten, die dir helfen?
Ich stehe lieber eine Stunde früher auf, um in Ruhe duschen zu können und eine Tasse Kaffee zu trinken, bevor die Kinder aufstehen und der Tag beginnt.
Diese Tasse Kaffee „ist heilig“ genauso wie der Spaziergang mit Heidi jeden Morgen, bevor ich die Kinder wecke. Dadurch fängt der Tag zwar früh an, aber insgesamt ist es eine Stunde für mich, bevor jemand meine Aufmerksamkeit fordert.
Darüber hinaus bin ich, wenn mein Mann oder die Oma da ist, auch gern allein.
Allein sein oder alleine Dinge zu unternehmen hat nichts mit Einsamkeit zu tun. Ich liebe es beispielsweise, in der Nacht am Berg zu sein, um am Gipfel den Sonnenaufgang zu erleben. Leider gelingt mir das zu selten, ist aber „Kino im Kopf“, um mir in stressigen Momenten etwas Ruhe in Erinnerung zu rufen.
Was sollte sich gesellschaftlich noch verändern?
Konservative Zuordnung von Rollenbildern sollten dringend aufhören. Warum wird beispielsweise ein Vater „gefeiert“, der sich einen Nachmittag frei nimmt, um mit den Kindern ins Schwimmbad zu gehen oder der zwei Monate Elternzeit nimmt? Warum ist eine Frau eine „Rabenmutter“, die mit zwei Kindern Vollzeit (wie ich) arbeitet und wird mit ungefragten Meinungen konfrontiert, dass sie dann ja auch keine Kinder gebraucht hätte.
Unsere gesellschaftlichen Rollenbilder, die wir von unseren Großeltern oder gar noch früheren Generationen übermittelt und anerzogen bekommen haben, sind dringend renovierungsbedürftig und sollten so schnell wie möglich angepasst werden. Damit meine ich nicht Gleichmacherei, aufzuweichen oder überzogene Härte.
Betrachten wir aber beispielsweise die Wehrpflicht, die ausschließlich für Männer gilt und Frauen nur freiwillig Dienst leisten dürfen:
Frauen in Deutschland fordern Gleichberechtigung. Meiner Meinung nach darf es aber dabei nicht darum gehen, nur Vorzüge einzufordern, sondern gleiche Verpflichtungen und Rechte für alle. Also sollte hier eine allgemeine Dienstpflicht für alle Geschlechtsidentitäten eingeführt werden. Entweder für 12 Monate Tätigkeit in einem sozialen Bereich (ähnlich dem ehemaligen Zivildienst) oder 12 Monate Dienst bei der Bundeswehr oder ein langfristiges Engagement bei THW und/ oder Freiwilliger Feuerwehr.
Die Wahrnehmung von Frauen und den alltäglichen Herausforderungen wird in den vergangenen Jahren zwar besser, ist aber weit von Gleichberechtigung entfernt.
Das bedeutet für uns als Eltern auch, dass wir nicht in die gleiche Erziehung der Kinder „schlagen“, welche Tätigkeiten beispielsweise im Haushalt von der Frau zu erledigen sind und welche als männlich gelten. Zur Gleichberechtigung und gleicher Aufgabenzuordnung und -verantwortung die Prägung unserer Kinder zu erreichen, ist meiner Meinung nach unsere zentrale Aufgabe als Eltern. Es ist wie bei Farben: es gibt keine Jungs- oder Mädchenfarben. Es gibt bunte Farben, Schwarz, Weiß und zugehörige Graustufen.
Schaut man in die medizinische Forschung und entsprechende Erfordernisse in Therapie oder Behandlungen, ist hier dringend Handlungsbedarf.
Hast du das Gefühl, dass dein Frausein deinen Weg erleichtert oder erschwert hat?
Für meinen beruflichen Weg wäre es sicherlich leichter gewesen, wäre ich ein Mann.
Wie bereits beschrieben ist es noch ein weiter Weg zu tatsächlich gleicher Wahrnehmung von Leistung oder Leistungsfähigkeit.
Fühlst du dich als Vorbild?
Ich denke schon, dass ich ein Vorbild sein kann, vor allem wenn es darum geht, klassische Rollenbilder aufzubrechen. Jede/r kann alles werden was sich derjenige vorstellt – allerdings sind manchmal Durchhaltevermögen wichtig und es sollten Umwege mit eingeplant werden.
Wenn du deinem jüngeren Ich etwas sagen könntest – was wäre das?
Glaube an dich selbst, an deine Fähigkeiten und geh‘ „mutig“ voran. Zweifle nicht an dir und lass sie dir nicht einreden. Und glaube vor allem nicht das, was andere dir sagen, was du könntest oder was nicht. Verfolge zielstrebig deine Träume – du wirst sie dir (wenn manchmal auch etwas später) erfüllen.
Was macht dich heute glücklicher als früher?
Die Gelassenheit, die sich zwangsweise mit etwas mehr Lebenserfahrung einhergeht.
Leider habe ich viel zu lange dafür gebraucht zu verstehen, dass niemand anders das Recht hat meinen Selbstwert zu definieren als ich selbst. Und dass niemand anders das Recht hat, meinen Wert, meine Leistungsfähigkeit und meine Träume in Frage zu stellen, außer mir selbst.
Welche Botschaft würdest du anderen Frauen mit auf ihren Weg geben?
Du definierst deine Ziele, deine Träume, deinen Platz und deinen Weg in deinem Leben.
Du definierst für dich, wer oder was du sein möchtest. Höre auf dein Bauchgefühl – lebe im hier und jetzt.
Würdest du diesen Weg wieder gehen?
Ja. Manchmal wünsche ich mir zwar, mit dem Wissen von heute nochmal 20 zu sein – aber bis auf meine erste Ehe würde ich tatsächlich alles wieder (fast) genauso machen.
