Dirndlschaft Aggaschnoin e.V.
Unterschleißheim

Aus Leidenschaft für Brauchtum wurde Gemeinschaft

Marion Schuster - Aus Leidenschaft für Brauchtum wurde Gemeinschaft

Interview mit Marion Schuster weiter unten.

2018 bin ich aus privaten Gründen von München nach Unterschleißheim gezogen. Der Neuanfang war auch eine Chance: Schon immer hatte ich eine große Begeisterung für die bayerische Tradition und Kultur. Um schneller Anschluss zu finden und diese Leidenschaft mit anderen zu teilen, habe ich den Mut gefasst, eine eigene Dirndlschaft zu gründen – gestartet sind wir 2018 mit neun Frauen in einem bayrischen Lokal.


Heute ist daraus ein großer Verein mit über 60 Mitgliedern geworden, der mit gemeinsamen Projekten und Aktivitäten unser Miteinander stärkt und sichtbar macht. Zur Traditionspflege gehört die Anwesenheit bei unserem Volksfesteinzug, der Maifeier und Fahnenweihen, sowie der monatliche Stammtisch. Auch das soziale Engagement wie die Beteiligung an Selbstverteidigungskursen für Mädchen, Clean-Up Aktionen, Nähkursen für Mädchen, Herzkissen für Brustkrebspatientinnen nähen, Unternehmungen mit den Seniorinnen und Senioren der Stadt usw. dürfen natürlich nicht fehlen.


Genau das erfüllt mich mit Stolz: zu sehen, wie aus einer Idee eine starke Gemeinschaft entstanden ist.
Meine Botschaft ist einfach: Traut euch, wenn ihr Lust auf etwas habt – manchmal entsteht daraus mehr, als man sich je vorgestellt hat.

Interview mit Marion

Stell dich bitte kurz vor:
Marion Schuster, 36 Jahre, PMO (Projektmanagement Office), gebürtig aus Forstenried und seit 2018 in Unterschleißheim

Was bedeutet „Stärke“ für dich ganz persönlich?
Stärke zeigt sich oft im Alltag: Entscheidungen treffen, Verantwortung übernehmen und das eigene Leben selbst organisieren. Gerade Frauen, die alleine leben, entwickeln dabei eine beeindruckende Selbstständigkeit – sie managen alles gleichzeitig, vom Alltag bis zu den großen Herausforderungen. Mit einem Augenzwinkern kann man sagen: Manchmal sind sie dabei die „besseren Männer“ – nicht, weil sie es sein wollen, sondern weil sie gelernt haben, alles selbst in die Hand zu nehmen. Und das mit einer Mischung aus Organisationstalent, Durchhaltevermögen und einer guten Portion Humor.

Wie kam der Entschluss eine Dirndlschaft zu gründen?
Ich habe Sandra gefragt, sie dann Veri und wir drei haben Mädels im Freundes- und Bekanntenkreis gefragt und somit konnte schnell das erste Treffen zur Gründung stattfinden. Am 01.03.2018 im Brauereigasthaus Lohhof mit insgesamt 9 Mädels.

Hättest du gedacht, dass aus deiner Idee etwas so Großes wird?
Niemals! Wir waren 9 Frauen bei der Gründung und über die Jahre sind wir zu über 60 Mitgliedern gewachsen.

Hast du/ihr euch vorher informiert wie das ablaufen soll - Antrag, Verwaltung usw.?
Wir sind naiv an die Sache rangegangen. Haben uns bei anderen Dirndlschaften die Satzungen angeschaut. Daraus dann selber eine geschrieben und somit ging es dann vorwärts. Haben uns alles selber zusammengesucht. Ein Hoch auf das Internet. Seit dem 11.07.2018 stehen wir offiziell im Vereinsregister

Wie bist du auf den Namen gekommen?
Ich habe irgendwann mal das Wort Aggaschnoin* gelesen und fand es lustig. Ich habe dieses Wort(spiel) nicht mehr vergessen. Genauso geht es anderen, wenn sie unseren Namen das erste Mal hören oder lesen. Bisschen provokativ, aber wir leben schließlich im 21. Jahrhundert ;)

Welchen Stellenwert hat bayrische Tradition für dich?
Einen sehr großen. Ich bin sehr bayrisch aufgewachsen. Und ich liebe unser schönes Bayern und die Stadt München. Besonders Volksfeste :)

Wie wurde über die Vereinstracht entschieden?
Die rote Schürze war schnell klar, wegen des Rots der Mohnblume. Wir haben dann verschiedene Trachtenläden abgefahren und uns schließlich ganz demokratisch für unsere jetzige entschieden. Das ist immer noch die ursprüngliche. Schwarzes Dirndl ist bei den meisten Vereinen Standard und diese Kombi fanden wir auch schön.

Wie schnell ist der Verein gewachsen?
Am Anfang nicht sehr schnell. Nach Corona hatten wir einen Boom und im Jahr 2023 hatten wir in einem Jahr 25 Neuzugänge.

Wie war der Weg zur Gemeinnützigkeit?
Wir hatten das schon bei der Gründung versucht, aber dann natürlich sofort eine Absage bekommen. Vor allem auch wegen Corona haben wir den Versuch auf Genehmigung der Gemeinnützigkeit dann erstmal auf Eis gelegt. Dadurch, dass wir in den letzten Jahren dann aber immer mehr gewachsen sind und auch Förderungen der Stadt Unterschleißheim nur an gemeinnützige Vereine gehen, haben wir den Antrag wiederholt.

Was sollte sich gesellschaftlich noch verändern?
Eine Frau wird nicht dadurch definiert, ob sie Kinder hat oder nicht. Viel wichtiger ist, dass sie mit sich selbst glücklich und zufrieden ist. Im 21. Jahrhundert sollte es selbstverständlich sein, dass Lebensentwürfe unterschiedlich aussehen dürfen. Niemand kennt die persönlichen Hintergründe oder Entscheidungen eines anderen Menschen – und genau deshalb sollte auch niemand ständig erklären müssen, warum er keine Kinder hat. Frau sein hat viele Facetten, und keine davon ist mehr oder weniger wert als eine andere.

Musstest du schon einmal ganz von vorne anfangen?
Ich denke, jeder hat sein Päckchen zu tragen – das Leben ist nicht immer leicht und ganz sicher nicht nur voller Sonnenschein. Doch genau diese Herausforderungen sind es, die uns wachsen lassen. Sie fordern uns heraus, über uns hinauszuwachsen, und machen uns am Ende stärker, mutiger und selbstbewusster.

Fühlst du dich als Vorbild? Warum oder warum nicht?
Nein, ich würde mich nicht als Vorbild bezeichnen. Einen Verein zu gründen ist mit Engagement, etwas Mut und der Unterstützung von Freunden für viele Menschen machbar. Wenn ich damit andere Frauen motivieren kann, ihre Ideen zu verwirklichen, dann ist das ein schöner Nebeneffekt.

Welche Botschaft würdest du anderen Frauen mit auf ihren Weg geben?
Meine wichtigste Botschaft ist: Macht das, worauf ihr wirkliche Lust habt. Hört auf die Menschen, die euch guttun – eure Familie und eure Freunde – und nicht auf Erwartungen von außen. Das Leben ist zu kurz, um es nach den Vorstellungen anderer zu leben. Es sollte euch erfüllen, Freude machen und sich nach eurem eigenen Weg anfühlen.


* Der Name „Aggaschnoin“ stammt aus dem Bayerischen und steht für die Mohnblume – ein Symbol für Lebensfreude, Zusammenhalt und bunte Vielfalt.