Dirndlschaft Aggaschnoin e.V.
Unterschleißheim

Den eigenen Weg gehen

Interview mit Iris Malecha weiter unten

Iris Malecha - Den eigenen Weg gehen

Ich bin Iris Malecha, 38 Jahre alt und komme ursprünglich aus Mittelfranken. Schon als Kind haben mich Mathematik und Physik begeistert. Als die Entscheidung für ein Studium anstand, schwankte ich lange zwischen einem wirtschaftlichen und einem technischen Weg. Obwohl ich bereits eine Ausbildungsstelle bei Siemens als Office-Management-Assistentin in Aussicht hatte und meine Eltern diesen Weg bevorzugt hätten, entschied ich mich für Fahrzeugtechnik.

Meine Eltern fragten sich, ob ich mich in einer Männerdomäne würde durchsetzen können. Tatsächlich war ich zu Beginn meines Studiums fast die einzige Frau unter vielen Männern. Das war nicht immer einfach. Manche Professoren stellten offen infrage, warum Frauen überhaupt zum Studium zugelassen würden. Andere begegneten mir mit Wertschätzung und Unterstützung. Diese Gegensätze haben mich geprägt.

Mit der Zeit lernte ich, meinen Platz zu finden. Ich passte mich an, ohne mich selbst aufzugeben, und entwickelte die Gelassenheit, mit Vorurteilen umzugehen. Humor half dabei oft mehr als jede Diskussion.
Auch im Berufsleben begegneten mir Vorurteile. Als junge Ingenieurin wurde ich gelegentlich für die Praktikantin gehalten. Eine Stelle erhielt ich mit der Begründung nicht, ich sei zu jung – obwohl der Mann, der stattdessen eingestellt wurde, nur einen Tag älter war als ich. Besonders ernüchternd war die Erkenntnis, dass Frauen in manchen Unternehmen vor allem unter dem Gesichtspunkt möglicher Schwangerschaften betrachtet wurden.

Trotzdem habe ich in meiner beruflichen Laufbahn vor allem eines erlebt: Kompetenz setzt sich durch. In meinem ersten Job in der Werkstattplanung hatte ich nie das Gefühl, von meinen Kollegen nicht ernst genommen zu werden. Im Arbeitsalltag zeigt sich schnell, wer sein Handwerk versteht – unabhängig vom Geschlecht.

Heute arbeiten in meiner Branche noch immer vergleichsweise wenige Frauen. Der Frauenanteil liegt bei 17,9 Prozent, auf Führungsebene sogar nur bei 10,5 Prozent. Umso wichtiger ist es, sichtbar zu machen, dass technische Berufe keine Frage des Geschlechts sind.

Wenn ich auf meinen Weg zurückblicke, bin ich froh, mich für das entschieden zu haben, was mich wirklich interessiert hat. Stärke bedeutet für mich nicht, keine Hindernisse zu erleben. Stärke bedeutet, den eigenen Weg trotzdem zu gehen.

Interview mit Iris

Stell dich bitte kurz vor
Iris Malecha, 38 Jahre aus Mönchsroth und seit 7 Jahren in Unterschleißheim.

Was bedeutet „Stärke“ für dich ganz persönlich?
Das zu tun, was man für richtig hält, ohne sich beirren zu lassen, und negative Kommentare ausblenden zu können.

Auf welche Entscheidung bist du besonders stolz?
Als ich die Uni gewechselt habe, weil mich das Thema interessiert hat, aber die Vorlesungen mit so vielen (1500) Kommilitonen nicht mein Fall waren. Trotz der Konsequenz, dass die 1,5 Jahre nicht angerechnet wurden.

Welche Erfahrungen aus deiner Kindheit oder Jugend prägen dich bis heute?
Die Erwartungshaltung meiner Eltern.

Gab es Vorbilder, die dir gezeigt haben, was möglich ist?
Antonia Terzi – eine italienische Aerodynamikerin, die für die Formel-1-Teams von Ferrari und Williams arbeitete.

Wie gehst du mit Rückschlägen/Widerständen um?
Keep cool an carry on…

Hast du das Gefühl, dich besonders behaupten zu müssen?
Auf fachlicher Ebene nicht, da die Anforderungen an alle gleich sind.

Wie ist es, in einem männerdominierten Beruf zu arbeiten?
Für mich ist das alltäglich und nichts Besonderes, da ich es so gewohnt bin.

Was gibt dir in schwierigen Zeiten Kraft?
Reisen und Zeit mit Freunden.

Was macht dich glücklich?
Zeit für mich und schwimmen mit Seekühen (in Florida).

Was sollte sich gesellschaftlich noch verändern?
Dass es nicht ungewöhnlich ist, Frauen in technischen Berufen zu sehen.

Hast du das Gefühl, dass dein Frausein deinen Weg erleichtert oder erschwert hat?
Teils teils – zum einen gibt es das Vorurteil, dass jede Frau in einem gewissen Alter schwanger wird und zum anderen wollen Männer den „schwachen“ Frauen helfen (z.B. bei Problemen am Auto). Dies kann man wunderbar für sich nutzen 😉.

Fühlst du dich als Vorbild?
Ich versuche vor allem jungen Mädchen ein Vorbild zu sein, u.a. beim Girls‘ Day.

Wenn du deinem jüngeren Ich etwas sagen könntest – was wäre das?
Glaub an dich, es wird so wie du es dir für dich vorstellst.

Welche Botschaft würdest du anderen Frauen mit auf ihren Weg geben?
Lasst euch nicht beirren, wenn ihr etwas wirklich von Herzen wollt.