Meine Bühne kennt keine Grenzen
Interview mit Gisele Abramoff weiter unten.
Ich bin 1978 in Rio de Janeiro geboren, mitten in eine Welt voller Musik, Farben und Geschichten. Schon als Kind war für mich klar: Die Bühne ist mein Zuhause. In den Pausen auf dem Schulhof habe ich kleine Shows für meine Klassenkameraden organisiert – manchmal improvisiert, manchmal mit „Choreografie“, aber immer mit viel Herz. Musik war mein Spielplatz, mein Geheimnis, mein Traum.
Mit 18 schrieb ich Musik für Telenovelas. Ich wusste damals nicht, wie groß das alles einmal werden würde – ich wollte einfach nur Musik machen.
Später, an der Universität, gründete ich meine erste Band. Wir nahmen ein Album auf, standen im Fernsehen, und ich spürte zum ersten Mal, wie es ist, wenn Träume plötzlich real werden.
2003 entstand DALIMAS – ein Projekt, das aus Spaß begann und zu einem wichtigen Kapitel meines Lebens wurde. Unsere Dance-Version von „Livin’ on a Prayer“ war eigentlich nur ein Experiment, aber sie fand ihren Weg in Clubs, Radios und zu vielen Menschen. Mit Songs wie „Angel“ und „Dreams“ durften wir auf großen Bühnen stehen, Festivals spielen und durch Brasilien touren. 2005 erschien unser erstes Album.
2007 führte mich das Leben nach Deutschland. Ich wurde Mutter, zweimal, 2008 und 2010. Ich legte eine Pause ein – eine bewusste, schöne, wichtige. Musik war immer da, aber meine Kinder standen im Mittelpunkt.
2017 kehrte ich zurück auf die Bühne, erst bei privaten Events, dann mit eigenen Songs. 2019 veröffentlichte ich „Run To Me“, „Like You“ und „Something“ – letzterer erreichte Platz 1 auf DJ Pool und Platz 3 der House Charts. 2020 stand ich bei „I Can See Your Voice“ auf der RTL-Bühne und unterschrieb kurz darauf bei Universal Music Brazil. Ich sang Vocals für Roger Sanchez und durfte wieder reisen, auftreten, Menschen begegnen.
Heute stehe ich regelmäßig auf Bühnen in Europa, auf Kreuzfahrten, bei Events und während der Wiesn im Hacker-Festzelt. Mit der Oktoberfestband reise ich um die Welt – von Japan bis Namibia, von Brasilien bis Indien. Ich liebe diese Mischung aus Kulturen, Musik und Energie.
2023 war ich Jurymitglied bei „All Together Now“ auf Sat.1. 2024 gründete ich die Munich Select Band. 2026 kehrte ich nach fast 20 Jahren als DALIMAS zurück – mit neuem Song und einem Konzert in São Paulo vor 5.000 Menschen.
Und heute? Ich bin immer noch dieses Mädchen aus Rio, das in der Pause kleine Shows für ihre Freunde organisiert. Nur dass die Bühne größer geworden ist. Die Träume auch. Und mein Herz genauso laut schlägt wie damals.
Interview mit Gisele
Stell dich bitte kurz vor
Gisele Abramoff aus Rio de Janeiro und seit 2007 in Unterschleißheim
Was bedeutet „Stärke“ für dich persönlich?
Die Fähigkeit sich weiterzuentwickeln und sein Leben neu zu strukturieren.
Was sollten wir über deine Geschichte/Leben wissen?
Liebe, Musik und Leidenschaft bestimmen mein Leben.
Gab es einen Moment in deinem Leben, der deine Richtung/Einstellung grundlegend verändert hat?
Als ich nach Deutschland gekommen bin und Mutter wurde.
Auf welche Entscheidung bist du besonders stolz?
Meine Musikkarriere 2017 wieder angefangen zu haben.
Gab es einen Moment, in dem du gemerkt hast: „Ich habe mehr Kraft, als ich dachte“?
Als ich alles neu lernen musste. Wie feiert man in Deutschland eine Hochzeit? Deutsche Lieder zu singen auf dem Oktoberfest und ähnliche Schwierigkeiten.
Welche Erfahrungen aus deiner Kindheit oder Jugend prägen dich bis heute?
Wenn ich an meine Kindheit zurückdenke, dann fällt mir vor allem meine Freude am „Rampenlicht“ ein. Schon auf den Geburtstagsfeiern meiner Freunde habe ich gerne gesungen und jede Gelegenheit genutzt, vor Publikum aufzutreten. Daraus entwickelte sich früh Selbstvertrauen und die Fähigkeit, auf Menschen zuzugehen – Eigenschaften, die mich bis heute begleiten.
Gab es Vorbilder, die dir gezeigt haben, was möglich ist?
Ein bestimmtes Vorbild hatte ich eigentlich nicht. Prägend war vielmehr ein Erlebnis während eines Schüleraustauschs in den USA. Dort durfte ich bei einem großen Musical mitwirken, bei dem Chor, Theatergruppe, Big Band und Tanzensemble gemeinsam auf der Bühne standen. Mit aufwendigem Bühnenbild, professioneller Beleuchtung und einem begeisterten Publikum war das für mich eine völlig neue Welt. In diesem Moment wurde mir klar, wie sehr mich das Auftreten vor Menschen begeistert. Dort habe ich gespürt: Die Bühne ist mein Zuhause. Diese Erfahrung hat mein Selbstvertrauen gestärkt und mich bis heute geprägt.
Wann musstest du in deinem Leben besonders mutig sein?
Ein besonders mutiger Schritt war für mich die Entscheidung, meine erfolgreiche Musikkarriere in Brasilien aufzugeben und nach Deutschland zu kommen. Ich ließ nicht nur meinen Beruf, sondern auch ein Stück meiner Identität hinter mir. Der Neuanfang war mit vielen Unsicherheiten verbunden, doch er eröffnete mir neue Möglichkeiten und Erfahrungen. Heute weiß ich, dass dieser Schritt viel Mut erforderte – und dass er sich gelohnt hat.
Gab es Situationen, in denen du an dir gezweifelt hast bzw. fast aufgegeben hättest?
Als junge Mutter gab es Zeiten, in denen ich dachte, dass der Abschnitt meines Lebens, in dem ich erfolgreich auf der Bühne stand, für immer vorbei sei. Ich habe gedacht, dass ich nie wieder diese Erfüllung und Begeisterung erleben würde. Heute weiß ich, dass jede Lebensphase ihre eigene Bedeutung hat. Was damals wie ein Abschied wirkte, war in Wirklichkeit der Beginn neuer Möglichkeiten und persönlicher Entwicklungen.
Wie gehst du mit Rückschlägen/Widerständen um?
Als während Corona meine Auftritte wegfielen, war das natürlich eine große Umstellung. Die Bühne und die Musik waren immer ein wichtiger Teil meines Lebens. Trotzdem habe ich versucht, diese Zeit nicht als Stillstand zu betrachten, sondern als Möglichkeit, etwas Neues zu schaffen. Ich begann, eigene Lieder zu schreiben und Musikvideos zu drehen. Daraus entwickelte sich sogar eine unerwartete neue Chance: ein Musikvertrag mit Universal in Brasilien. Diese Erfahrung hat mir gezeigt, dass Widerstände manchmal der Anfang eines neuen Weges sein können.
Was gibt dir in schwierigen Zeiten Kraft?
An meinen Träumen festzuhalten.
Gibt es Rituale oder Gewohnheiten, die dir helfen?
Kurze Auszeiten am Tegernsee, um zur Ruhe zu kommen.
Was sollte sich gesellschaftlich noch verändern?
Eine Veränderung, die ich mir wünsche, betrifft das Bild von berufstätigen Müttern. Eine Mutter, die für ihren Beruf reist, Verantwortung übernimmt und auch einmal mehrere Tage nicht zu Hause ist, sollte dafür nicht bewertet werden. Bei Vätern wird derselbe Schritt häufig als selbstverständlich gesehen. Ich wünsche mir, dass beide Wege gleich anerkannt werden und Frauen genauso selbstverständlich berufliche Chancen wahrnehmen können, ohne sich dafür rechtfertigen zu müssen.
Fühlst du dich als Vorbild? Warum oder warum nicht?
Für meine Kinder ja, man kann alles schaffen - Karriere und Familien.
Wenn du deinem jüngeren Ich etwas sagen könntest – was wäre das?
Alles kommt zur richtigen Zeit.
Was macht dich heute glücklicher als früher?
Ich weiß, die wenige Zeit mit Freunden und Familie mehr zu schätzen
Welche Botschaft würdest du anderen Frauen mit auf ihren Weg geben?
Nie stehen bleiben, an seine Träume zu glauben und nicht aufzugeben. Sich nicht davon beeinflussen zu lassen was andere denken könnten.
Würdest du diesen Weg wieder gehen?
Ja unbedingt. Ich hatte eine tolle Karriere, war 10 Jahre mit Leidenschaft Vollzeitmutter und verfolge nun meine Karriere wieder weiter.
