Dirndlschaft Aggaschnoin e.V.
Unterschleißheim

Ein Leben für Bildung, Familie und gesellschaftlichen Zusammenhalt

Gina Hanke - Ein Leben für Bildung, Familie und gesellschaftlichen Zusammenhalt

Interview mit Gina Hanke weiter unten.

Mein Name ist Gina Hanke. Den größten Teil meines Berufslebens habe ich an der Mittelschule in Unterschleißheim verbracht. Zuvor arbeitete ich nach meiner zweiten Bayerischen Lehrerausbildung als Lehrkraft und spätere Konrektorin zehn Jahre lang an Münchner Hauptschulen. In dieser Funktion übernahm ich die im Jahre 2007 freiwerdende Stelle an der Hauptschule in Unterschleißheim. Im Jahr 2008 wurde ich nach einem unerwarteten Schicksalsschlag zur Rektorin berufen und durfte sie 17 Jahre als Schulleiterin prägen.

In meiner Zeit an der Schule war es mir wichtig, nicht nur Wissen zu vermitteln, sondern junge Menschen in ihrer gesamten Entwicklung zu unterstützen. Dabei konnte ich meine 10-jährige Unterrichtserfahrungen, die ich nach meiner Ausbildung zur Diplomlehrerin in Dresden gesammelt hatte, gut einbringen. Ich setzte mich für den Ausbau der Schulsozialarbeit ein, weitete den gebundenen Ganztag auf alle Jahrgangsstufen aus, etablierte die Berufseinstiegsbegleitung an der Schule, ließ ein Schullogo erstellen, gründete den Förderverein und förderte internationale Begegnungen, etwa durch den Schüleraustausch mit Polen.

Mit der Umwandlung der Hauptschule in eine Mittelschule nahm ich die kleineren Hauptschulen von Oberschleißheim und Haimhausen als Mittelschulen mit in den Verbund auf und sicherte damit deren Bestehen ab. Der inklusive Gedanke ließ uns eine kleine Klasse des Augustinums an der Mittelschule anbinden. Sieben Schülerinnen und Schüler konnten in Kooperation mit einer Regelklasse unterrichtet werden und bei uns den Abschluss der 9. Jahrgangsstufe erfolgreich erwerben.

Mit wachsenden Schülerzahlen benötigten wir mehr Klassenzimmer. Der Neubau wurde geplant und begleitend gebaut. Eine moderne, neu ausgestattete Schulküche wurde von den Schülern dankend angenommen und half bei der Ausbildung von Fachlehrern aus dem Staatsinstitut für Lehrerbildung Pasing. Der Umbau des alten Haupthauses im laufenden Schulbetrieb war für alle Beteiligten nicht leicht zu ertragen, jedoch konnten damit auch die Arbeitsbedingungen der Lehrkräfte vor Ort verbessert werden. Aus einem Klassenzimmer in dem sich 60 Lehrkräfte aufhielten und auf den Unterricht vorbereiten mussten, wurde ein großer Aufenthalts- und Konferenzraum mit abgetrennter Küche, ein modernes Lehrerarbeitszimmer. Die Lehrerbücherei erhielt ein Pausenruheeck für die im Ganztag bis 16.00 Uhr unterrichteten Kolleginnen und Kollegen.

Als eine in Sachsen ausgebildete Deutsch- und Kunsterzieherin mit Erfahrungen im leistungsorientierten Basketball lagen mir die Bereiche Kunst, Musik, Sport sowie Informatik für unsere Schüler besonders am Herzen. So zeigten die Schüler in verschiedensten Ausstellungen vor Ort, aber auch in der Gestaltung des Schulhauses ihre schöpferischen Fähigkeiten. Die Schülerband stellte sowohl bei Festen in der Schule als auch in Veranstaltungen der Stadt ihr musikalisches Talent unter Beweis. Urkunden im Schulhaus zeugen noch heute von den Erfolgen und der Anstrengungsbereitschaft im Turnen, Ringen, Schwimmen, Basketball und Fußball. Moderner Unterricht zunächst am Smartboard schulte nicht nur die Kinder, sondern brachte auch den Lehrern die neue Technik bei. Er schuf die Grundlage für die Einführung des I-Pad Unterrichts im gesamten Fächerkanon der Mittelschule und sorgte damit für bessere Einstiegsmöglichkeiten unserer Mittelschüler in die Berufs- und Studienwelt.

Nach 17 Jahren als Schulleiterin wurde ich Anfang 2024 sehr emotional in den Ruhestand verabschiedet. Der Abschied von Schülerinnen und Schülern, Kolleginnen und Kollegen sowie vielen Wegbegleitern war für mich ein sehr bewegender Moment und eine schöne Bestätigung für die gemeinsame Arbeit der vergangenen Jahre.

Auch nach meiner Pensionierung will ich mich weiterhin für die Gemeinschaft engagieren. Deshalb bin ich im Lions Club Schleißheim aktiv. Im Juni 2025 übernahm ich dort für ein Jahr das Amt der Präsidentin. Gemeinsam mit vielen engagierten Menschen setzen wir uns für soziale Projekte und das Gemeinwohl ein. Seit drei Jahren organisiere ich deshalb das Projekt „Jugend engagiert sich“ in einem neuen Format, um das ehrenamtliche Engagement von Kindern und Jugendlichen vor Ort zu zeigen und zu stärken.
Darüber hinaus interessiere ich mich auch weiterhin für die Zukunft meiner Heimatstadt Unterschleißheim. Deshalb engagiere ich mich seit 14 Jahren in den Beiräten der Stadt und jetzt für die nächsten sechs Jahre im Beirat für Familie und Soziales, um auch kommunalpolitisch meine Erfahrungen aus Bildung, Ehrenamt und gesellschaftlichem Engagement einzubringen.

Wenn ich auf meinen Weg zurückblicke, bin ich dankbar für die vielen Begegnungen mit jungen Menschen, Familien, Kolleginnen und Kollegen sowie Ehrenamtlichen. Sie haben meinen beruflichen und persönlichen Lebensweg geprägt und bereichert.

Interview mit Gina Hanke

Stellen Sie sich bitte kurz vor
Gina Hanke, aus Halle an der Saale, in Dresden und München studiert und gearbeitet. Seit 2004 in Unterschleißheim.

Was bedeutet „Stärke“ für Sie ganz persönlich?
Stärke bedeutet für mich, ein Ziel vor Augen zu haben, von dem man sich nicht abbringen lässt, ganz gleich welche Steine im Weg liegen. Stärke bedeutet aber auch Fehler einzusehen und sich dafür zu entschuldigen.

Gab es einen Moment in Ihrem Leben, der Ihre Richtung/Einstellung grundlegend verändert hat?
Als ich mit einem in Ostdeutschland gesellschaftlich vorbestimmten Beruf nach München kam, glaubte ich, der freien, wilden Gesellschaftsform nicht gewachsen zu sein. Während meiner Arbeit als Sozialpädagogin für Jugendliche, die auf Drogen waren, wurde mir bewusst, wie sehr mir die Arbeit mit jungen Menschen am Herzen liegt. Zu sehen, wie sie durch Unterstützung und Ermutigung über sich hinauswachsen können, hat mich beeindruckt. In dieser Zeit reifte in mir die Überzeugung: Wenn ich Jugendliche auf diesem Weg begleiten kann, dann schaffe ich das auch in der Schule. Dieser Gedanke wurde zum Ausgangspunkt meines erneuten Studiums in Bayern sowie dem späteren beruflichen Werdegang.

Auf welche Entscheidung sind Sie besonders stolz?
Besonders stolz bin ich auf unseren Neuanfang in München. Obwohl mein Studium hier zunächst nicht anerkannt wurde, habe ich die Bayerische Lehrerausbildung absolviert und mir damit neue berufliche Möglichkeiten eröffnet. Diese Entscheidung hat meinen weiteren Lebensweg entscheidend geprägt.

Gab es einen Moment, an dem Sie gemerkt haben: „Ich habe mehr Kraft, als ich dachte“?
Ja. Als ich das Bayerische Referendariat, das normalerweise zwei Jahre dauert, mit allen Prüfungen und der Hausarbeit in nur einem Jahr erfolgreich absolvierte und anschließend in den Schuldienst der Hauptschulen einstieg. In dieser Zeit habe ich erkannt, dass ich über deutlich mehr Kraft, Disziplin und Ausdauer verfüge, als ich mir selbst zugetraut hatte.

Welche Erfahrungen aus Ihrer Kindheit oder Jugend prägen Sie bis heute?
Der Zusammenhalt und die Arbeit in einer Gemeinschaft, ob Familie, Kollegium oder Sportgruppe, hilft Aufgaben besser zu meistern. Wichtig ist auch, Menschen zu helfen, denen es nicht so gut geht.

Gab es Vorbilder, die Ihnen gezeigt haben, was möglich ist?
Meine Großmutter – Sie kam mittellos aus dem Hultschiner Ländchen nach Mitteldeutschland und hat hier aus eigener Kraft ihr neues Leben aufgebaut.

Welche Hürden haben Sie am meisten wachsen lassen?
Das mir als Frau zunächst nicht zugetraut wurde Studium, Arbeit, Kinder und Familie unter einen Hut zu bringen.

Wie gehen Sie mit Rückschlägen/Widerständen um?
Die Situation analysieren, Gründe suchen, Diskutieren, Überzeugen und sich neu orientieren.

Was gibt Ihnen in schwierigen Zeiten Kraft?
Meine Familie.

Gibt es Rituale oder Gewohnheiten, die Ihnen helfen?
Die Arbeit in meinem Garten gehört zu meinen festen Gewohnheiten. Sie hilft mir, abzuschalten, Kraft zu tanken und einen guten Ausgleich zum beruflichen und ehrenamtlichen Engagement zu finden.

Was sollte sich gesellschaftlich noch verändern?
Als Lehrerin, die verschiedene Gesellschaftssysteme kennen gelernt hat, stellte ich mir diese Frage oft. Bei Friedrich Fröbel und bei Konfuzius, fand ich meine Antworten, die bis heute ihre Gültigkeit nicht verloren haben:
„Erziehung ist Beispiel und Liebe, sonst nichts.“  (Friedrich Fröbel)
„Erkläre mir, und ich vergesse. Zeige mir, und ich erinnere. Lass es mich tun, und ich verstehe.“ (Konfuzius)
Ich möchte bei Fröbel ergänzen, Kinder brauchen nicht nur Liebe auch Zeit der Beachtung. Sie brauchen die Anerkennung ihrer Leistungen in Zuwendung, in Aufmerksamkeit mit Empathie. Wir Erwachsene sind für sie ein Vorbild, von uns lernen sie, was richtig und falsch, gerecht und ungerecht, ehrlich und unehrlich ist. Von uns lernen sie die Grenzen des Zusammenlebens kennen und wie Konflikte untereinander gelöst werden können. Wir zeigen ihnen mit Kritik umzugehen und Misserfolge zu verkraften. Wir geben Vertrauen, Sicherheit und Wertschätzung. Kinder und Jugendliche wollen sich an Erwachsenen reiben, eigene Meinungen bilden, um mit ihren Entscheidungen zu wachsen. Sie wollen sich ausprobieren und persönliche Erfahrungen sammeln, in dem was sie selbst schaffen. Dabei achten sie schon sehr genau auf ihre Vorbilder.

Fühlen Sie sich als Vorbild? Warum oder warum nicht?
Eher nicht, weil die Leistungen, die ich gebracht habe, meinem eigenen Anspruch entsprachen. Für meine Töchter bin ich ein Vorbild, das haben sie mir signalisiert. Sicherlich schätzen auch einige Kollegen/innen, die mich auf meinem Arbeitsweg begleitet haben, meine Arbeit.
Wenn Sie ihrem jüngeren Ich etwas sagen könnten – was wäre das?
Das Leben ist schön, gestalte es.

Was macht Sie heute glücklicher als früher?
Heute macht es mich besonders glücklich, die Entwicklung meine Kinder und ihrer Familien zu sehen. Besonderen Spaß macht es die Enkelkinder zu beobachten. Zu sehen, wie sie Schritt für Schritt zu verantwortungsbewussten, selbstständigen und wertschätzenden Persönlichkeiten heranwachsen, erfüllt mich mit großer Freude und Zuversicht.

Welche Botschaft würden Sie anderen Frauen mit auf ihren Weg geben?
Glaubt an euch und lasst euch nicht unterkriegen.