Vom Verbot zur Meisterschaft
Interview mit Christine Süß weiter unten
Schon als Kind habe ich viel und oft mit meinen Brüdern und Schwestern Fußball gespielt. Am liebsten direkt nach der Schule, natürlich nach den Hausaufgaben, auf der Wiese in der Nähe. Nach 10 Jahren Handball habe ich dann endgültig zum Fußball gewechselt.
Am Anfang waren wir noch ca. 80 Frauen, alles Hausfrauen, Mütter, Studentinnen und Stenotypistinnen, bis nach einigen Trainings und Sichtungen noch etwa 20 übrigblieben.
Ich war gerade einmal 20 Jahre alt, verheiratet und hatte ein 3-jähriges Kind als mein Traum begann. Meine Zwillingsschwester und ich waren in der ersten Mannschaft der allerersten offiziellen Frauenfußballabteilung des FC Bayern. Das war am 07.06.1970, einige Monate bevor das Verbot aufgehoben wurde.
(Anmerkung der Redaktion: Das Frauenfußballverbot des DFB von 1955 wurde erst auf dem Verbandstag in Travemünde am 31.10.1970 aufgehoben)
Ganze drei Monate versteckte sich das Team, um im Geheimen zu trainieren. Kondition, Technik, Taktik, zwei Mal pro Woche, bei Wind und Wetter. Danach hieß es drei Mal pro Woche trainieren und jedes Wochenende ein Spiel. Tagsüber Haushalt, Kochen, Kind versorgen und abends ab zum Training. Jedoch war es den Stress absolut wert!
Nun ging es nur noch aufwärts:
- Unser 1. Spiel gewannen wir am 17.10.1970 mit 7:1 gegen Olching
- 1. Oberbayrischer Meister wurden wir am 06.11.1971 mit 7:0 gegen den FC Ehekirchen
- 1. Bayrischer Meister wurden wir am 11.11.1972 mit 4:2 gegen den SpVgg Landshut im Olympiastadion München (danach wurden sie noch unglaubliche 19x in Folge Bayr. Meister)
- 1975 waren wir Deutscher Vizemeister
- Und schließlich am 20.06.1976 1. Deutscher Meister (den nächsten Titel als Deutscher Meister gab es erst 2015 – also 39 Jahre später)
Für den Sieg gab es 150 DM für jede und wir haben die Ehrenmedaille „Für hervorragende sportliche Leistungen“ vom damaligen Oberbürgermeister G. Kronawitter verliehen bekommen. Natürlich gab es auch ein Meisterschaftsessen u.a. mit Kalbsrückensteak vom Rost mit verschiedenem Gemüse und Colbertkartoffeln und Eisbombe zum Nachtisch.
Es war eine tolle und aufregende Zeit, bis ich 1976 aufgehört habe und stattdessen Tennis zum Erholen spielte :- )
Nachtrag: Am Samstag, den 09.05.2026 fand das letzte Heimspiel der aktuellen Damen Fußball Mannschaft des FC Bayerns gegen Frankfurt im Bayern Campus statt. Die Damenmannschaft von 1976 wurde auf Grund des 50. Jubiläums eingeladen. Auf dem Rasen wurden alle geehrt durch den Präsidenten Hr. Hainer und der Direktorin der Damenabteilung Fr. Rech. Eine große Wertschätzung der Leistungen dieser Damen.
Interview mit Christine Süß
Stellen Sie sich bitte kurz vor
Christine Süß, Rentnerin, aus Freimann und seit 1995 in Unterschleißheim
Was bedeutet „Stärke“ für Sie ganz persönlich?
Alles zu meistern.
Auf welche Entscheidung sind Sie besonders stolz?
Dass ich genau das erreicht habe, was ich mir vorgenommen hatte.
Welche Hürden galt es auf dem Weg zu meistern?
Training, Haushalt, Kochen, Kind und Mann unter einen Hut zu bekommen.
Was sollte sich gesellschaftlich noch verändern?
Es hat sich schon sehr viel in den letzten Jahren getan aber noch mehr Interesse am Frauenfußball wäre schön.
Welche Botschaft würden Sie anderen Frauen mitgeben?
Erfolg kommt durch Fleiß, Mut, Ausdauer, Disziplin und ein kleines bisschen Glück – dann kann man fast alles erreichen, was man sich wünscht.
Zum Glück hat sich auch viel getan was Sexismus betrifft. Überschriften wie damals gibt es heute nicht mehr. Ein paar Beispiele:
„Zwei Männer und 31 Frauen“, „Ehrgeiz in zarten Waden“, „Den Bayern Mädchen ist das Kicken lieber als das Küssen“, „Der erste Stadion-Striptease fand nicht statt“, „Torschüsse wie bei den Männern“ und Aussagen wie „Seitdem sie an der Säbener Straße rumhopsen, schwirren hier nur noch männliche Bienen.“

