Für ein soziales und lebenswertes Unterschleißheim
Interview mit Annegret Harms weiter unten.
Ich wurde 1953 in einer kleinen Gemeinde in Niedersachsen geboren. Seit 1977 lebe ich in Unterschleißheim – und aus einem neuen Wohnort ist im Laufe der Jahrzehnte meine Heimat geworden. Hier haben mein Mann und ich unsere Familie gegründet, unsere Kinder großgezogen, gearbeitet, gelacht, getrauert und viele Menschen kennengelernt, die unser Leben bereichert haben.
Ich bin Mutter von drei erwachsenen Kindern – zwei Töchtern und einem Sohn – und stolze Großmutter von zwei Enkelinnen im Alter von vier und sieben Jahren. Seit 2013 bin ich verwitwet. Diese Erfahrung hat mein Leben verändert und mir noch deutlicher gezeigt, wie wichtig Zusammenhalt, Menschlichkeit und gegenseitige Unterstützung sind.
Mein Berufsleben begann als Erzieherin. Schon früh war mir klar, dass ich mit Menschen arbeiten und besonders Kinder und Jugendliche auf ihrem Weg begleiten möchte. Sieben Jahre leitete ich eine Caritas-Kindertagesstätte in Unterschleißheim. Als meine Kinder geboren wurden, entschied ich mich bewusst dafür, ganz für meine Familie da zu sein. Familienfrau und Mutter zu sein, war für mich nie ein „Zurückstecken“, sondern eine wertvolle und erfüllende Lebensaufgabe.
Gleichzeitig war es mir immer wichtig, mich auch außerhalb meiner Familie für andere einzusetzen. Ehrenamtliches Engagement war und ist für mich eine Herzensangelegenheit. Bei der Nachbarschaftshilfe engagierte ich mich unter anderem in der Ferienbetreuung, bei „Essen auf Rädern“, sowie bei den jährlichen Kinderbekleidungsbasaren. Gemeinsam mit sechs weiteren Frauen gründete ich das Familienzentrum – aus der Überzeugung heraus, dass Familien Orte brauchen, an denen sie Unterstützung, Gemeinschaft und offene Türen finden.
Auch die Schulen meiner Kinder begleiteten mich viele Jahre intensiv. Ich arbeitete in den Elternbeiräten der Grundschulen mit und war acht Jahre Vorsitzende des Elternbeirats des Carl-Orff-Gymnasiums. In der Pfarrei St. Korbinian engagierte ich mich zudem in der Kommunion- und Firmvorbereitung. Während meiner Familienzeit absolvierte ich eine anerkannte Fortbildung in Religions- und Heilpädagogik, weil mir die Wertevermittlung und die Begleitung von Kindern und Jugendlichen immer besonders am Herzen lagen.
Mit der Einführung des G8 im Jahr 2003 standen viele Familien plötzlich vor großen Herausforderungen durch Nachmittagsunterricht und Betreuungsbedarf. Gemeinsam mit der Nachbarschaftshilfe und der Schulleitung des Carl-Orff-Gymnasiums wurde eine Offene Ganztagsschule eingerichtet und aufgebaut. Diese durfte ich 17 Jahre lang leiten und weiterentwickeln – bis zu meinem Ruhestand. Die Arbeit mit Kindern, Jugendlichen und Familien hat mich geprägt und erfüllt. Zu sehen, wie junge Menschen ihren eigenen Weg finden, ist für mich etwas ganz Besonderes.
2008 begann mein Weg in die Kommunalpolitik. Zunächst für die Freien Wähler, seit 2014 für die SPD, engagiere ich mich im Stadtrat von Unterschleißheim. Von 2013 bis zum Ende der Wahlperiode 2014 sowie erneut von 2020 bis 2026 hatte ich das Amt der Dritten Bürgermeisterin inne.
In all den Jahren habe ich gelernt: Politik beginnt immer mit dem Zuhören. Menschen möchten ernst genommen werden – mit ihren Sorgen, Hoffnungen und Ideen.
Deshalb liegt mir die Sozialpolitik besonders am Herzen. Ich möchte dazu beitragen, dass unsere Stadt menschlich bleibt, dass niemand ausgegrenzt wird und dass sich Menschen aller Nationalitäten bei uns zuhause fühlen können.
Mein Leitspruch begleitet mich bis heute:
„Klare Kante, sich selbst treu bleiben, offen sein für die Anliegen der Bürgerinnen und Bürger – Hilfe zur Selbsthilfe.“
Für die Zukunft wünsche ich mir eine demokratische Stadtgemeinschaft, die respektvoll miteinander umgeht – auch bei unterschiedlichen Meinungen. Eine Gesellschaft, geprägt von guter Debattenkultur, gegenseitiger Achtung und Zusammenhalt – ohne rechtsextreme Strömungen.
Für ein soziales Unterschleißheim.
Für das Gefühl, hier zuhause zu sein.
Annegret Harms
SPD-Stadträtin und Sozialreferentin
Interview mit Annegret Harms
Stellen Sie sich bitte kurz vor
Annegret Harms, 73 Jahre aus der Gemeinde Saterland in Niedersachsen und seit 1977 in Unterschleißheim.
Was bedeutet „Stärke“ für Sie ganz persönlich?
Meine Stärken sind, dass ich gerne auf Menschen zugehe, eine gute Zuhörerin bin und stets hilfsbereit und offen bin. Geprägt durch meinen sozialen Beruf als Erzieherin und mein soziales Ehrenamt sind diese Eigenschaften im Umgang mit Menschen ein wichtiger Grundpfeiler meiner gesellschaftlichen und politischen Arbeit.
Meine politische Haltung ist freiheitlich demokratisch mit einer klaren Kante gegen rechtsextreme Parteien und Strömungen. Ich stehe für eine bunte und inklusive Gesellschaft.
Gab es einen Moment, an dem Sie gemerkt haben: „Ich habe mehr Kraft, als ich dachte“?
Nach dem Tod meines Mannes 2013 habe ich viel Kraft und neuen Lebensmut aufgebracht, meine Familiensituation neu geordnet und insbesondere meinen Kindern Zuversicht, Halt und Stärke vermittelt, um den Tod des Vaters zu verkraften. Die neue Lebenssituation hat mich nachhaltig in der Trauerphase und darüber hinaus für mein weiteres Leben geprägt.
Welche Erfahrungen aus Ihrer Kindheit oder Jugend prägen Sie bis heute?
Aus meiner Kindheit prägen mich bis heute das harmonische Miteinander in meiner Familie mit vielen Ritualen und einer toleranten Erziehung, die ich zum Teil auch an meine Kinder weitergegeben habe. Ich bin aufgewachsen mit einer Schwester und zwei Brüdern. Auch das intensive Dorfleben, sowie die christliche Jugendarbeit haben zu der Zeit mein Leben geprägt.
Gab es Vorbilder, die Ihnen gezeigt haben, was möglich ist?
Mein großes Vorbild war meine Mutter. Mit ihrer liberalen Haltung vermittelte sie uns Kindern eine positive Lebenseinstellung. Besonders meiner Schwester und mir gab sie immer wieder mit auf den Weg, unsere eigene Meinung zu vertreten, selbständig zu denken und mutig unseren Weg zu gehen. Ein ständig wiederkehrender Satz war: „Lasst euch nicht verbiegen.“
Welche Hürden haben Sie am meisten wachsen lassen?
Eine große Hürde war für mich das Verlassen meiner norddeutschen Heimat, als mein Mann nach seinem Studium in München eine Arbeitsstelle fand; zugleich war es eine Herausforderung, das neue Leben mit Neugier, Offenheit und Zuversicht anzunehmen und gemeinsam erfolgreich zu gestalten.
Was gibt Ihnen in schwierigen Zeiten Kraft?
Gute vertrauensvolle Gespräche mit meinen Kindern, Geschwistern und Freundinnen. Ein gutes klassisches Konzert oder Oper geben mir positive Gefühle.
Haben Sie das Gefühl, dass Ihr Frausein Ihren Weg erleichtert oder erschwert hat?
In meinem Beruf als Erzieherin und auch durch meine ehrenamtlichen Tätigkeiten habe ich überwiegend mit anderen Frauen zusammengearbeitet. Diese Teamarbeit hat mich immer wieder bereichert und vorangebracht. Auch auf der politischen Ebene habe ich Frauen kennengelernt, von denen ich viel lernen konnte.
Fühlen Sie sich als Vorbild? Warum oder warum nicht?
Da mich viele Bürgerinnen und Bürger in Unterschleißheim kennen, besonders über meine politische Arbeit als Stadträtin und ehemalige dritte Bürgermeisterin, bin ich als Persönlichkeit in der Stadtgemeinschaft bekannt. Was mich glücklich und zufrieden schätzt ist die Wertschätzung und Anerkennung meiner Arbeit. Diese positiven Rückmeldungen bestärken mich in meinem Weg und geben mir das Gefühl etwas Sinnvolles und Wirksames zu tun. Besonders mein soziales Engagement gemeinsam mit vielen Frauen hier vor Ort erfüllt mich mit Dankbarkeit, Freude und Zuversicht und gibt mir Kraft und Motivation für alles, was noch vor mir liegt.
